Hilfen und Tipps fürs Trekking und Fotografie

Fotografie Grundlagen – Fototechnik kurz und einfach erklärt

Moin! Hier erkläre ich dir (relativ) kurz und (halbwegs) bündig die technischen Fotografie Grundlagen. Danach wirst du genug wissen, um a, deine Kamera grundlegend zu beherrschen und b, die Grundlagen so gut zu kennen, dass du sie kreativ für deine Bilder nutzen kannst.

Bevor wir uns jetzt aber gleich ins Fachliche stürzen, noch ein paar Worte zum Grundverständnis: Bei den (technischen) Fotografie Grundlagen spielt die richtige Belichtung eine zentrale Rolle. Richtig belichtet ist ein Bild dann, wenn es weder zu dunkel noch zu hell ist (Woran du das erkennst, erkläre ich dir im nächsten Beitrag. Ich bitte um etwas Geduld. Trag‘ dich doch schon mal in meinen Newsletter ein, dann erfährst du als erstes, wenn es Neuigkeiten gibt. :))

Wie genau du die Belichtung steuern kannst, will ich dir hier erklären. Gleichzeitig erzähle ich dir nebenbei, wie du die technischen Fotografie Grundlagen kreativ nutzen kannst. Nun aber genug des einleitenden Wortschwalls. Gestatte mir zunächst einen kleinen Ausflug in die Anfänge der Fotografie.

An den Fotografie Grundlagen hat sich seit den Anfängen im 19. Jahrhundert nichts verändert. Menschen versuchen Licht mit Gläsern und einer kleinen Öffnung in einem Kasten einzufangen. Zugegeben, der technische Fortschritt hat dabei einiges vereinfacht. Du gehst aber grundlegend noch genauso vor wie die Erfinder dieses wundervollen Hobbys.

sonnenuntergang in grönland
Das Motiv ist ungewöhnlich, die Fotografie Grundlagen sind aber die gleichen wie vor 170 Jahren: Licht, lichtdichter Kasten, lichtempfindliches Medium

Das Grundprinzip der Fotografie – kurzer Blick auf die Geschichte

Das Grundprinzip der Fotografie ist ganz einfach: Durch eine kleine Öffnung in einem lichtdichten Kasten strömt Licht ein. Die Lichtstrahlen formen an der Rückwand des Kastens ein auf dem Kopf stehendes Abbild der Szenerie vor dem Kasten (wahrscheinlich kennst du das Prinzip unter dem Namen camera obscura).

die fotografie grundlagen
Eine vereinfachte Darstellung der camera obscura

Mit der Zeit entwickelten kluge Köpfe eine Möglichkeit, dieses Abbild zu fixieren. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand die Idee, dieses Abbild auf Platten festzuhalten. Fortschritte in der Chemie halfen dabei. Silbersalze (Halogenide) reagieren mit Licht. Eine Platte mit diesen Salzen überzogen, ermöglichte das Fixieren des Abbildes. Gleichzeitig blieb die Physik nicht untätig. Geschliffene Linsen ermöglichten die Korrektur des gedrehten Abbildes und eine bessere Qualität desselbigen. So entstanden immer komplexere Geräte mit immer aufwändigeren Objektivkonstruktionen. Die beiden Urväter der Fotografie, Niépce und Daguerre benötigten für die weltweit erste Fotografie eine Belichtungszeit von einigen Stunden. Und das Ergebnis war dabei nicht sonderlich beeindruckend.

Der Stein der Fotografie Grundlagen kommt ins Rollen

Innerhalb kürzester Zeit entwickelten einige Menschen dieses Prinzip rasch weiter. Der Stein war ins Rollen gekommen. Die Experimentierfreude hatte allerdings auch Schattenseiten. Viele der Fotografie-Pioniere hantierten mit hochgiftigen Chemikalien, wie etwa Quecksilber. Entsprechend erreichten die meisten frühen Fotograf*innen kein hohes Lebensalter. Erst mit der Entwicklung des lichtempfindlichen Rollfilms veränderte sich dies. In den 70er Jahren kamen die ersten Digitalkameras auf. Diese setzten sich erst zur Jahrtausendwende durch, sorgten dann aber für einen enormen Schub. Und seit Kamerasensoren in Handys eingebaut werden, macht nahezu jeder Mensch Fotos.

Du fragst dich nun wahrscheinlich, weshalb diese kurze Geschichtsstunde. Ganz einfach: Jede Kamera, auch die am Mobiltelefon, ist auch heute noch nichts anderes, als eine Kamera obscura. Licht strömt durch eine Öffnung in einen lichtdichten Kasten. An der Rückwand befindet sich ein lichtempfindliches Medium, dass dieses Abbild aufzeichnet. Nicht mehr und auch nicht weniger. Das bedeutet aber auch: Wenn du die Fotografie Grundlagen vertstanden hast, kannst du sie auf JEDE Kamera anwenden. Denn am Grundprinzip hat sich nichts verändert hat. Lediglich in der Entwicklung der dazugehörigen Komponenten wie Objektiv und Film/Sensor hat es enorme Sprünge gegeben. Da ich dich nun aber nicht weiter mit der Historie quälen will, kommen wir mal auf die einzelnen Elemente der Fotografie Grundlagen zu sprechen. Das sind im Einzelnen folgende:

  • Die Blende
  • Die Belichtungszeit
  • Die Lichtempfindlichkeit (ISO)
  • Das Belichtungsdreieck
  • Die Brennweite
  • Die praktische Anwendung
fotografie grundlagen beruhen auf physik keine panik es wird nicht so kompliziert

Vielleicht erkennst du an den Begriffen, dass die Fotografie Grundlagen auf reiner Physik beruhen. Auch wenn du in deiner Schulzeit mit der Physik auf Kriegsfuß standest, ich gebe mir Mühe die einzelnen Begriffe möglichst einfach zu erklären. Du kannst dein Physikbuch also wieder weg legen und die Erinnerungen an fürchterlich trockene Physikstunden zurück drängen. Lass‘ uns starten!

Die Blende

Beginnen wir direkt mit dem kompliziertesten Element, der Blende. Die Blende reguliert im Objektiv die Öffnung, durch die Licht in den lichtdichten Kasten fällt; Physikalisch etwas genauer bezeichnet: Mit der Blende bestimmst du wie hoch der Lichtbündelquerschnitt ist, der auf Sensor/Film trifft. Das will folgendes meinen: Drehst du die Blende sehr weit auf, vergrößerst also die Öffnung, kommt ein sehr breites Lichtbündel in die Kamera. Eine große Blendenöffnung erkennst du zum Beispiel an der Bezeichnung „f2.8“. Umgekehrt kannst du die Zahl „f16“ einstellen. Die Blendenöffnung wird nun sehr klein. Das Licht wird stark gebündelt. Schön, oder? Aber was hat das nun genau mit Fotografieren zu tun? Über die Blendenöffnung und mit dem Querschnitt des Lichtbündels steuerst du den Schärfebereich in deinem Bild; die sogenannte Tiefenschärfe. Je größer die Blendenzahl, desto größer die Tiefenschärfe.

blendenzahl auf einem objektiv
Die rot markierte Zahl ist die minimale Blendenöffnung. Die Angabe in Millimetern ist die Brennweite. Dazu an späterer Stelle mehr. 🙂

Die Tiefenschärfe

Stellst du eine sehr große Blendenöffnung ein, ist das Licht breit gefächert. Das heißt: der scharfe Bereich in deinem Bild ist sehr klein. Andersherum bedeutet eine sehr kleine Blendenöffnung, dass der scharfe Bereich in deinem Bild sehr groß ist. Das Lichtbündel wird stark konzentriert.

Oder anders erklärt: Stell‘ dir vor, du hast zwei Kaffeekannen. Eine davon hat eine sehr schmale Tülle (Tülle ist das Bauteil an einer Kanne, aus dem der Kaffee in die Tasse gegossen wird), die andere eine sehr breite. Ist die Öffnung der Kanne sehr breit, kannst du schnell sehr viel Kaffee ausgießen. Allerdings bist du damit nicht sehr genau. Ist die Öffnung der Tülle sehr klein, kannst du zwar besser zielen, bist aber langsamer. Bei der Blendenöffnung ist es das gleiche. Mit einer großen Öffnung (also kleiner Blendenzahl) kommt schnell viel Licht auf den Sensor/Film. Bei einer kleinen Blendenöffnung (große Blendenzahl) kommt weniger Licht auf den Sensor/Film. Dafür ist das Licht konzentrierter, also mehr Bereiche im Bild scharf.

pilz auf moos im wald
Der Schärfebereich im Bild ist sehr gering. Dadurch liegt der Fokus sehr deutlich auf dem Pilz.

Und wozu nun das Ganze? Mit der Tiefenschärfe kannst du beim Fotografieren wunderbar spielen. Durch den bewusst gesetzten Fokus, kannst du Elemente in deinem Bild gesondert hervor heben oder betonen. Sehr häufig taucht dieses Spiel in der Portraitfotografie auf. Du kennst mit Sicherheit Bilder, in denen eine Person oder ein Gegenstand vor einem verschwommenen Hintergrund steht. Genau dafür wird mit der Blende gespielt. Hier sind Objektive mit großer Blendenöffnung im Vorteil. Das sind dann aber zugleich meist die Objektive, die auch am teuersten sind.

Die Tiefenschärfe selbst hängt aber nicht nur von der Blende ab. Die Brennweite spielt dabei auch noch eine Rolle. Doch dazu an späterer Stelle mehr.

Zusammenfassung – Die Blende

Fassen wir mal zusammen:

  • Das Objektiv begrenzt die minimale und die maximale Blende
  • Die Blende wird mit einem „f“ angegeben: „f2.8“ oder auch mit „1:x“
  • je kleiner die Blendenzahl, desto größer die Blendenöffnung, desto kleiner die Tiefenschärfe
  • je größer die Blendenzahl, desto kleiner die Blendenöffnung, desto größer die Tiefenschärfe
  • Mit der Blende kannst du die Lichtmenge steuern, die auf Sensor/Film trifft
  • Du steuerst mit der Blende die Tiefenschärfe und rückst damit Bildelemente in den Fokus

So, du hast es geschafft! Mit der Blende hast du das schwierigste Element der Fotografie Grundlagen verstanden. Und nun gibt es gleich noch eine kleine Aufgabe: Schnapp‘ dir deine Kamera. Lege sie auf eine stabile Unterlage oder schraube sie besser noch auf ein Stativ. Suche dir ein Motiv und fotografiere munter eine komplette Blendenreihe (also von kleinster bis größter Blendenzahl) durch. Im Anschluss siehst du dir die Bilder an einem großen Bildschirm an. Interessant, oder?

War ich etwas voreilig und du weißt gar nicht, wie du so eine Bildfolge mit unterschiedlichen Blenden machen sollst? Sieh auf deiner Kamera nach. Du findest auf dem Moduswählrad bestimmt einige Buchstaben: M, A (bei Pentax und Canon auch „Av“), S (bei Pentax und Canon „Tv“), P. Bei kleineren Digitalkameras kannst du mit Sicherheit verschiedene Aufnahmemodi auswählen, wie Sport, Landschaft und so weiter. Häufig findest du dort genau diese Buchstaben. Wählst du den Buchstaben „A“ kannst du der Kamera vorgeben, bei welcher Blende du fotografieren möchtest. Die Kamera berechnet dann den Rest. Fertig. Das klappt mittlerweile auch mit Handykameras. Dort heißt es dann „erweiterter Modus“ oder „Profimodus“. 🙂

Die Belichtungszeit

Stürzen wir uns nun gleich auf das zweite Element der Fotografie Grundlagen: die Belichtungszeit. Hier kann ich mir lange Erklärungen glücklicherweise sparen. Denn die Definition steckt schon im Begriff. Mit der Belichtungszeit steuerst du wie lange Film/Sensor belichtet werden. In den Anfängen der Fotografie nahm man dazu einfach die Kappe vom Objektiv. Heutzutage öffnet sich ein Verschluss, hinter dem der Film/Sensor liegt.

Soweit so einfach. Du ahnst es vielleicht schon: damit ist es aber nicht getan. Denn auch mit der Belichtungszeit lässt es sich hervorragend spielen. Mit sehr kurzen Belichtungszeiten (also im Bereich der Tausendstelsekunde, auf Kameras folgendermaßen dargestellt: „1/2000“) kannst du Bewegungen einfrieren. Beispielsweise einen rennenden Hund oder Wellen, die über einem Hindernis brechen. Das kann sehr spektakulär wirken.

welle bricht über bunker
Mit einer sehr kurzen Belichtungszeit kannst du die Welle „einfrieren“. Jeder Wassertropfen ist zu erkennen.

Mit langen Belichtungszeiten kannst du Bewegungen verschwimmen lassen. Das kann bei Wasser sehr malerisch wirken. Oder auch Dynamik signalisieren. Sicher kennst du aus alten Cartoons die Beine, die zu rotierenden Scheiben werden, wenn Jerry mal wieder nur knapp Toms fiesen Anschlägen entgeht. 🙂 Ganz so extrem klappt das in der Fotografie natürlich nicht. Aber um Bewegung in einem statischen Medium darzustellen, reichen leicht verschwommene Räder oder auch Wellenränder.

rauschende welle am ostseestrand
Bei Belichtungszeiten von etwa 1/5 Sekunde verwischen die Wellen, sind aber noch als solche zu erkennen.
abendhimmel über ostsee mit ziehenden wolken
Durch die lange Belichtungszeit erscheint die Ostsee eher wie Nebel. Die Wolken verschwimmen ebenfalls, da sie in den 4min Belichtung weiterzogen.

Achtung! Stativ oder feste Unterlage sind für lange Belichtungszeiten Pflicht

Bei solch langen Belichtungszeiten kommst du um eine feste Unterlage für deine Kamera, wie etwa ein Stativ, nicht mehr herum. Denn mit längeren Belichtungszeiten steigt auch die Gefahr des Verwackelns. Du kannst die Kamera noch so ruhig halten, irgendwie bewegst du dich immer ein bisschen. Es gibt zwar Stabilisatoren, die diese Bewegungen ausgleichen. Zaubern können die aber auch nicht.

Für Aufnahmen aus der Hand gibt es eine Faustregel: Brennweite = minimale Belichtungszeit. Soll heißen: Bei einem Objektiv mit 50mm Brennweite kannst du ohne Verwacklung mit 1/50s aus der Hand fotografieren. Bei 300mm 1/300s, bei 12mm 1/12s. Was es mit der Brennweite auf sich hat, kommt im späteren Verlauf. 🙂

Zusammenfassung – Die Belichtungszeit

Kurze Zusammenfassung des Gelernten:

  • Mit der Belichtungszeit steuerst du die Dauer des Lichteinfalls auf den Sensor/Film
  • Mit kurzen Belichtungszeiten kannst du Bewegungen „einfrieren“
  • Lange Belichtungszeiten lassen Bewegungen verschwimmen
  • bei langen Belichtungszeiten benötigst du eine Unterlage/Stativ
  • lange Belichtungszeiten bergen die Gefahr des Verwackelns
  • Faustregel: Brennweite = 1/minimale Belichtungszeit in Sekunden
hund rennend am strand
Für einen Hund in vollem Lauf brauchst du extrem kurze Belichtungszeiten. Hier öffnete sich der Verschluss für 1/1250 Sekunde.

Neugierig geworden? Dann schnapp‘ dir deine Kamera und schraube sie auf ein Stativ oder stell‘ sie auf eine stabile Unterlage. Statt des Modus „A“ (oder „Av“) für die Blendenwahl, wählst du jetzt den Modus „S“ (bei Canon und Pentax „Tv“). Jetzt kannst du lustig mit der Belichtungszeit spielen. Deine Kamera berechnet dann den Rest. Dieser Modus ist besonders nützlich, wenn du Bewegungen fotografieren möchtest und du ebendiese „einfrieren“ willst. Ganz praktisch bedeutet das: Willst du deinen Hund in vollem Lauf knackscharf fotografieren, darf die Belichtungszeit nicht unter 1/800s liegen. Andernfalls verwischt dir der Hund, weil er sich zu schnell bewegt. Oder aber du willst einen Fluss als milchig-weißen Nebel darstellen. Dann benötigst du sehr lange Belichtungszeiten. Nutzt du nun den Modus „S“ kannst du dich voll und ganz auf dein Motiv konzentrieren. Die Kamera berechnet die richtige Belichtung mit Blende und ISO-Wert.

Die Lichtempfindlichkeit (ISO)

Die Digitalisierung brachte der Fotografie einen unfassbaren Vorteil: Du kannst bei jeder Aufnahme entscheiden, wie lichtempfindlich dein Sensor sein soll. Gut, Kritiker*innen könnten jetzt einwerfen: „Das ging früher bei den Plattenkameras auch schon!“ Allerdings war das Prozedere bei der Plattenfotografie um einiges aufwendiger. Heute kannst du mit deiner Kamera ein Bild bei ISO 80 aufnehmen, das nächste bei ISO 25.600 oder noch mehr. Was bedeutet aber diese ISO-Zahl eigentlich?

Hier muss ich dich noch einmal mit dem Geschichtsbuch heim suchen. Mit dem ISO-Wert (vor der ISO-Einführung gab es noch ASA und DIN) sollten Filme in ihrer Helligkeitsdarstellung vergleichbar gemacht werden. Also ein Fuji-Film sollte bei ISO 200 mit Blende 8 und Belichtungszeit 1/100s in der Helligkeit identisch mit einem Agfa-Film sein. Bei der Entwicklung der Kamerasensoren übernahmen die Hersteller diese Praxis.

Hauptsächlich hast du über das Verstellen der Lichtempfindlichkeit des Sensors die Möglichkeit, dynamisch auf Veränderungen des Lichts zu reagieren. Bei Filmen sah das anders aus. Denn änderten sich spontan die Lichtverhältnisse hattest du nur zwei Möglichkeiten: Film zurückspulen und einen neuen einlegen oder hoffen, die neue Situation mit Blende und Belichtungszeit zu bändigen.

Der ISO-Wert in der Praxis

Lass‘ mich dir nun kurz erklären, wann du welchen Wert nutzen solltest. Grundlegend gilt auch hier eine Faustregel: „So niedrig wie möglich, so hoch wie nötig.“

Das soll bedeuten: Wenn dir ausreichend Licht zur Verfügung steht, nutzt du den kleinsten ISO-Wert den deine Kamera kann. Der liegt, je nach Modell und Hersteller, meist zwischen 64 und 200. Wenn es nun dunkler wird, die Belichtungszeit ist an der Grenze des Verwackelns, die Blende geht nicht weiter auf und du hast kein Stativ dabei, kannst du für ein gut belichtetes Bild den ISO-Wert erhöhen. Willst du schnelle Bewegungen fotografieren, wirst du sehr häufig auch bei Tageslicht schon höhere ISO-Werte einstellen müssen.

Hohe ISO-Werte haben Nachteile

milchstraße am strand
Eine Aufnahme bei ISO 10.000
bildrauschen an der ostsee
Und hier mal in der Vergrößerung das sogenannte Bildrauschen.

Solltest du dich jetzt fragen, weshalb du den ISO-Wert „So niedrig wie möglich“ einstellen solltest: Mit der Erhöhung der Lichtempfindlichkeit steigt die Fehlbelichtung einzelner Pixel, das sogenannte Bildrauschen. Halte ich persönlich für nicht so schlimm. Denn wenn du nicht grade die Fassade deines Wohnhauses mit einem deiner Bilder plakatieren willst, wird es in der Regel nicht auffallen. Und tappe bloß nicht in die Foto-Foren-Falle. Dort wirst du massenhaft Behauptungen und Beweise finden, das deine Kamera ab einem ISO-Wert von 400 völlig unbrauchbar sein wird. Am Anfang bin ich auf den Quatsch reingefallen. Heute weiß ich es zum Glück besser. Daher mein Rat: Lass‘ dich von dem Unsinn nicht verunsichern. 🙂

leuchtendes fenster in ienem dunkeln raum
Hier kam die Kamera an ihre Grenze. Der Helligkeitsunterschied ist zu heftig. Je empfindlicher der Sensor (also je höher der ISO-Wert) desto weniger Helligkeitsunterschied verkraftet der Sensor.

Wesentlich wichtiger, weshalb du hohe ISO-Werte meiden solltest: Der Dynamikumfang des Sensors wird immer geringer. Alles klar? Nein? Kein Problem. Ich erklär’s dir kurz. Kamerasensoren können nur eine bestimmte Bandbreite an Helligkeit darstellen. Klassiker: Du fotografierst bei Sonnenschein in einem Innenraum mit Fenstern. Der Helligkeitsunterschied lässt dich nun wählen: Innenraum hell, dafür in den Fenstern nach draußen nur weiß. Oder auf dem Bild ist die Aussicht aus dem Fenster zu erkennen, aber der Innenraum ist zu dunkel. Und je höher dein ISO-Wert steigt, desto weniger Helligkeitsunterschied verträgt der Sensor. Noch mal etwas praktischer: Fotografierst du bei Sonne im Wald, siehts du bei ISO 100 sowohl das Himmelsblau als auch etwas Grün im Wald. Um und bei ISO 1600 und höher wirst du nur noch entweder Himmelsblau oder Waldgrün erkennen. Aber nicht mehr beides zusammen. Als Landschaftsfotograf finde ich dieses Problem wesentlich gravierender, als ein bissel Bildrauschen. 🙂

ISO-Automatik

Meine Empfehlung: Gerade in den Anfängen will ich dir empfehlen, die ISO-Automatik deiner Kamera zu nutzen. Denn glaube mir, du wirst mit Blende, Belichtungszeit und Bildgestaltung genug zu tun haben. Und wie bereits erwähnt: Lieber ein Bild mit einem hohen ISO-Wert als gar keins. 🙂

zwei tobende hunde auf einer wiese
Strahlender Sonnenschein, aber der Schatten bei einer Belichtungszeit von 1/4000 Sekunde machte eine Erhöhung des ISO-Wertes auf 800 notwendig.

So, und nun hast du es auch schon fast geschafft. Eine kleine Aufgabe gibt es aber noch: Mach ein paar Bilder mit verschiedenen ISO-Werten. Guck dir die Bilder anschließend an und notiere dir, bis zu welchem ISO-Wert du mit dem Bildergebnis leben kannst. Wühle dich im Anschluss durch das Menü deiner Kamera und stell‘ bei der ISO-Automatik den von dir notierten ISO-Wert als Maximalwert ein. Damit hast du nun erstmal Ruhe und kannst dich auf die anderen Aspekte der Fotografie Grundlagen stürzen. 🙂 (Falls es dich interessiert: Meine Schmerzgrenze liegt bei ISO 12.800. Und das mit einer Kamera, die laut Foren schon bei ISO 500 nicht mehr zu gebrauchen ist… :D)

Kleiner Motivationsschub gefällig? Du hast es fast geschafft. 🙂 An diesem Punkt weißt du schon mehr übers Fotografieren als vermutlich 85% aller Instagram-Nutzer*innen. (Und nein, ich habe keinen Beleg für meine Behauptung. Wenn ich durch die Ergebnisse scrolle, habe ich aber den Eindruck, dass lediglich 15 Prozent wirklich wissen, was sie da tun 😉 )

Zusammenfassung – Der ISO-Wert

Du kannst die Lichtempfindlichkeit des Sensors je nach Lichtsituation anpassen. Ein kaum zu überschätzender Vorteil. Gestatten dir Blende und Belichtungszeit kreativen Spielraum, kann das dritte Element der Fotografie Grundlagen damit nicht aufwarten. Den ISO-Wert zu variieren bringt dir nur mehr Spielraum in anspruchsvollen Lichtsituationen. Oder aber zum Ausgleichen, wenn du beispielsweise sehr viel Tiefenschärfe im Bild haben willst oder sehr kurz belichten willst.

  • So niedrig wie möglich, so hoch wie nötig
  • hohe Lichtempfindlichkeit mindert den Dynamikumfang
  • hohe Lichtempfindlichkeit sorgt für Bildrauschen
  • dient als Ausgleichsmöglichkeit, wenn du Veränderungen an Blende und/oder Belichtungszeit vornimmst
  • lässt dich flexibel auf sich verändernde Lichtsituationen reagieren
  • zu Beginn als Fotograf*in bist du mit der ISO-Automatik gut beraten

Das Belichtungsdreieck

Im Zuge der Lichtempfindlichkeit tauchte ja bereits ein erster Hinweis auf: Die drei genannten Elemente (Blende, Zeit, ISO) hängen zusammen. Oder etwas genauer: Die drei Elemente beeinflussen einander und damit die Belichtung deines Bildes. Veränderst du einen der Werte, wirst du die anderen anpassen müssen. Gleichzeitig hast du damit auch die Möglichkeit, auf verschiedene Situationen mit unterschiedlichen Anpassungen zu reagieren.

Daher ist es wichtig, dass du dir bereits vor deinem Bild überlegst, was du aufnehmen willst. Möchtest du einen rennenden Hund aufnehmen, hast du bei der Belichtungszeit nicht viel Spielraum. Hier musst du eher die Blende öffnen und/oder den ISO-Wert erhöhen. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. 😉

Ganz anders sieht es in der Landschaftsfotografie aus; besonders wenn du mit einem Stativ durch die Natur stappfst. Wirken deine Bilder zu dunkel, kannst du die Belichtungszeit nahezu unbegrenzt ausdehnen. Und das erspart dir wiederum das Variieren der ISO. Okay, vielleicht ein wenig sehr stark verallgemeinert, aber ich denke, du verstehst, was ich meine. Um das ganze ein wenig anschaulicher zu machen, stell‘ dir ein Dreieck vor. Die Ecken sind die drei Elemente der Fotografie Grundlagen: Blende, ISO, Belichtungszeit.

schematische darstellung des belichtungsdreiecks
Haut vielleicht nicht zu 100% hin, verdeutlicht aber den Zusammenhang der drei Faktoren

Die Brennweite

Ein letztes Thema will ich zumindest noch kurz ansprechen: Die Brennweite. Diese hat nur indirekt Einfluss auf die Belichtung. Dafür bestimmt die Brennweite, wie groß dein Bildwinkel der Aufnahme ist. Mit anderen (flapsigen) Worten: Die Brennweite sagt dir, wieviel auf’s Bild passt. Diese wird in Millimetern angegeben. Es gibt zwei grundlegend unterschiedliche Arten von Objektive: Zooms und Festbrennweiten. Erstere sind in der Brennweite variabel, letztere haben in der Regel eine größere maximale Blendenöffnung.

brennweitenangabe auf einem objektiv
Die Brennweite wird in der Regel auf dem Objektiv aufgedruckt.

Es lassen sich dabei drei Hauptkategorien unterscheiden:

  • 0-35 Millimeter Brennweite „Weitwinkelobjektive“ (weiter Bildwinkel)
  • 35-70 Millimeter Brennweite „Normalobjektive“ („normal“ weil dieser Bereich unserem Sichtfeld nahe kommt)
  • ab 70 Millimeter „Teleobjektive“

Je kleiner die Zahl, desto größer der Bildwinkel. Je größer die Zahl, desto kleiner der Bildwinkel. Was meine ich nun aber mit Bildwinkel. Diese Größe meint das Licht, was vor dem Objektiv eingesammelt wird und auf Sensor/Film trifft. Mit großen Brennweiten lassen sich kleine Motive formatfüllend auf ein Bild bringen. Hingegen mit kleineren Brennweiten taucht mehr von der Umgebung im Bild auf. Damit kannst du hervorragend spielen und rumprobieren. Aber Vorsicht: Sehr kurze Brennweiten erfordern etwas Übung im Hinblick auf Bildgestaltung. Andernfalls werden die Bilder sehr schnell langweilig. Und sehr lange Brennweiten eignen sich für Details. Aber sein gesamtes Portfolio aus Details zu erstellen, kann halt auch sehr schnell langweilig werden. Das aber nur als kleine Anmerkung am Rande.

Brennweite und Tiefenschärfe hängen zusammen

Der Grund, weshalb ich dich mit einer weiteren physikalischen Größe quäle: Die Brennweite wird durch das Objektiv vorgegeben. Ein weiteres Element der Fotografie Grundlagen sitzt ebenfalls im Objektiv: Die Blende. Wie du dich sicher erinnerst, steuerst du zwei Sachen mit der Blende. A, den Querschnitt des Lichtbündels der auf Sensor/Film trifft und B, den Bereich der Tiefenschärfe. B ist im Zusammenhang mit der Brennweite wichtig. Denn je größer die Brennweite, desto kleiner wird der Bereich der Tiefenschärfe. Kleines Beispiel: Du nimmst ein Portrait bei 300mm Brennweite und einer Blende von f2.8 auf. Du hast natürlich auf die Augen fokussiert. Der Bereich der Schärfe beträgt bei diesen Einstellungen allerdings weniger als 1 Zentimeter. Es reicht also, wenn sich die Person nur einen Hauch bewegt und dein Fokus liegt daneben. 🙂 Andererseits haben größere Brennweiten den Vorteil, dass der Hintergrund sehr schnell verschwimmt, was bei Portraits ja gern gewünscht ist.

libelle auf einem grashalm vor verschwommenen hintergrund
Große Brennweite und offene Blende sorgen für einen stark verschwommenen Hintergrund. So lenkt nichts von der Libelle ab.

Da ich keine Fotos von Menschen aufnehme, muss halt ein Insekt herhalten. Ich denke, du verstehst, was ich meine. 🙂

Und ja, ich muss es kurz noch loswerden: Es gibt keine ideale Brennweite für ein bestimmtes Subgenre der Fotografie. Häufig kannst du in Fotoforen lesen, dass Landschaftsfotografie nur mit (Ultra-/Super-/Hyper-/Mega-)Weitwinkel möglich ist. Andersrum lässt sich Sport wohl nur mit Teleobjektiven knipsen. Meiner Meinung nach einfach Unsinn.

sonnenuntergang am see bei farbigem sonnenuntergang
Ein Landschaftsbild ohne Weitwinkel. Da stellen sich bei einigen Dogmatikern*innen wohl die Nackenhaare auf… 😀

Die praktische Anwendung

So! Herzlichen Glückwunsch. Du hast es geschafft. Wenn du hier angekommen bist, sollte dich deine Kamera vor keine Rätsel mehr stellen. Zumindest nicht was die Fotografie Grundlagen angeht. Mir ist bewusst, dass so eine Kamera noch viel viel mehr kann. Themen wie Autofokus, Belichtungsreihen, Blitzlicht und so weiter, habe ich noch gar nicht angerissen. Das darfst du nun selber herausfinden. Denn das technische Wissen für gute Fotos hast du nun. 🙂

Willst du neben der Technik auch erfahren, was gute Fotos ausmacht und wie du dich mit deinen Bildern von der Masse abheben kannst? Dann schau‘ dir unbedingt meinen Beitrag zum Fotografieren lernen an. Denn da geht’s weniger um die Technik, als viel mehr um das, was du mit deinen Bildern zeigen willst/kannst. 🙂 Darf es noch praktischer sein? Unter Sonnenuntergang an der Ostsee fotografieren habe ich dir kurz und knackig aufgeschrieben, wie ich vorgehe, wenn ich das Farbenspiel am Abend einfangen will.

Probier‘ dich aus und lerne deine Kamera kennen. Du wirst feststellen, dass du mit jedem bewusst aufgenommen Bild sicherer im Umgang mit deinem Apparat wirst. Und dabei ist es völlig irrelevant, ob das Gerät den Wert eines Kleinwagens hat oder du gebraucht ein älteres Modell erworben hast. Und auch mit dem Handy lassen sich mittlerweile großartige Bilder aufnehmen. Denn die beste Kamera ist die, die du dabei hast.

In diesem Sinne Gut Licht!

Fotografieren lernen – Tipps für einfach bessere Bilder

Durch Smartphones wird heute jeder zum Fotografen. Oder fast, vielleicht, halbwegs, zumindest beinahe. Ich verrate dir, wie du mit ein paar einfachen Tricks und Kniffen dich von der Masse der „Beinahe-Fotograf*innen“ abhebst. Denn Fotografieren lernen ist wirklich nicht schwer. Das Schöne daran: Du brauchst keine teure Kameraausrüstung, kaum technisches Verständnis und musst im Kunstunterricht auch nicht zu den Überfliegern gehört haben. Versprochen.:)

roter abendhimmel über einem see mit zwei inseln willst du ernsthaft fotografieren lernen bekommst du bald solche bilder hin
Für solche Bilder brauchst du vor allem Geduld!

Um spannende Fotos zu machen, brauchst du eigentlich nur Folgendes:

  • Geduld (in meinen Augen am wichtigsten!)
  • irgendeine Kamera (das Handy reicht vollkommen)
  • Geduld (in meinen Augen am wichtigsten!)
  • Selbstbewusstsein (habe keine Angst dich zum Affen zu machen)
  • Geduld (in meinen Augen am wichtigsten!)
  • Kleidung, die dreckig werden darf
  • Geduld (in meinen Augen am wichtigsten)
  • Bereitschaft aus Fehlern zu lernen
  • Geduld (in meinen Augen am wichtigsten!)
  • Bedienung eines Computers (oder Smartphones)

Wie du siehst, die wichtigsten Sachen (GEDULD!) kannst du dir auch nicht für viel Geld kaufen. Mit Ausnahme der Kamera. Aber sei dir da versichert: Je teurer die Kamera, desto mehr Möglichkeiten erwirbst du, dir das Bild zu versauen.:) Willst du mehr über die technischen Grundlagen des Fotografierens wissen, sieh dir den Beitrag Fotografie Grundlagen an. Hier erkläre ich dir die Technik der Fotografie. 🙂

Geduld

Geduld ist eine Grundtugend. Ohne sie wird dir das Fotografieren lernen schwer fallen. „Die ersten 10.000 Bilder sind die Schlechtesten.“ Dieses Zitat sagt eigentlich so ziemlich alles aus. Ohne Geduld wirst du diese Grenze nicht überschreiten. Aber ich verspreche dir: Mit jedem bewusst aufgenommen Bild wirst du dich spürbar verbessern! Und der eigene, sichtbare Fortschritt wird zu deiner Motivation. Denn wenn du schon deine Fortschritte siehst, sehen sie andere erst recht.:)

spiegelnder berg vor gebirgssee
Geduld und Erfahrung ermöglichen solche Aufnahmen

Weiterhin ist Geduld notwendig, um auf das richtige Licht zu warten. Für einige meiner besten Bilder von der Ostsee bin ich unzählige Male an den Strand gefahren – ohne dass ich zeigenswerte Bilder aufgenommen hätte. Oder ich packte meine Sachen frustriert zusammen und auf dem Rückweg fand die Sonne eine Lücke in der Wolkendecke. Das Farbspektakel am Himmel verfolgte ich im Rückspiegel… . Dies wirst du in meinen Bildern aber nicht sehen. Und doch gehört dieser Part genauso dazu. Auch schlechte Ergebnisse musst du beim Fotografieren lernen hinzunehmen.

Nicht entmutigen lassen!

Wichtig ist dabei, dass du dich nicht entmutigen lässt. Sondern dass du weiter machst. Eines der besten Tierfotos, die ich sah, zeigt einen Eisvogel kurz vor dem Eintauchen im spiegelnden und glatten Wasser. Der Fotograf Alan McFadyen gab an, dass er für dieses Bild ca. 720.000 andere Bilder aufnahm. Dafür hat es sich aber gelohnt.:)

Und auch vor Ort zahlt sich Geduld aus. Hektik ist beim Fotografieren, und ganz besonders beim Fotografieren lernen, oft ein sehr schlechter Berater. Lass dir Zeit für deine Fotos. Nimm die Atmosphäre des Ortes auf und probiere dich aus. Und, wie schon weiter oben erwähnt, packe deinen Kram nicht zu früh ein. 🙂

sonne bricht durch dichte nebel- und wolkendecke
Fast hätten wir schon unsere Kameras eingepackt, als sich die Sonne für einen kurzen Moment im Pfälzerwald blicken ließ

Um dennoch zügig Fortschritte in deinen Bildern zu sehen, hast du immerhin schon den ersten wichtigen Schritt gemacht: Du suchst im Netz nach Anleitungen, um das Fotografieren zu lernen. Und nun kommen wir zu ganz praktischen Schritten.

Bildgestaltung

Ich erwähnte weiter oben ja bereits den Kunstunterricht. So ganz kommst du um die Inhalte nicht herum. Es wird aber sehr kurz und schmerzlos, versprochen.:)

Schau dir zunächst mal ein paar Bilder von guten Fotograf*innen genauer an. Überlege dir, weshalb die Bilder eine starke Wirkung auf dich haben. Mach‘ dir am besten Notizen zu den Dingen, die dir auffallen. Gefällt dir das besondere Licht? Fasziniert dich der Bildaufbau? Kurzum: Alles, was dir auffällt, kannst du bei deinem nächsten, eigenen Fotoausflug einfach mal ausprobieren. Schwierig wird es nur, wenn dich, wie mich, Bilder von Eisbergen faszinieren. Eisberge in unseren Breiten sind ja leider weitestgehend unmöglich… .
Vermutlich fallen dir bei genauerer Betrachtungsweise einige Sachen auf, die ich dir kurz vorstellen werde:

Grundlegendes

Das Bild erzählt eine Geschichte!
Ja, Bilder können Geschichten erzählen. Wenn du das Fotografieren lernen möchtest, solltest du dir Gedanken über dein Bild machen. Damit meine ich, dass du dir überlegen sollst, was du zeigen willst. Welche Geschichte willst du deinem Publikum erzählen? Willst du Menschen zum Lachen bringen? Nachdenklich stimmen? Offen auf Missstände hinweisen? Oder ein Art Märchen erzählen?

Trekking-Ausrüstung an einem Strand eines Sees
Verschiedene Elemente sorgen für Spannung im Bild. Willst du die Geschichte im Bild erfahren?

Ich fand in meinen Anfängen Aussagen wie: „Ich muss noch mal zu dem Spot. Ich hab‘ da noch ein Bild im Kopf, dass ich unbedingt aufnehmen will.“, weitestgehend merkwürdig. Mittlerweile verstehe ich, was damit gemeint ist.

In Gedanken bilden sich Vorstellungen von Lichtsituationen. Und wie diese sich auf eine bestimmte Szenerie ausswirken. Mit verschiedenen Zusatzprogammen lässt sich beispielsweise der Sonnenstand anzeigen. So kannst du nachvollziehen, wann die Sonne wohin scheint. Google Earth kann so etwas beispielsweise.

Zur Geschichte gehört aber noch mehr. Wann interessieren dich Geschichten? Wenn Unerwartetes passiert, Spannung entsteht oder wenn Gegensätze aufeinander prallen. Mach‘ dir dieses Wissen zunutze. Erschaffe Bilder mit starken Kontrasten.

Exkurs: Kontraste

Lass‘ mich hier kurz meinen Erzählstrang unterbrechen. Kontraste sind eines DER Bildelemente, mit denen du Zuschauende gefangen nimmst. Folglich sind sie im Prozess des Fotografieren lernens auch enorm wichtig.
Wie kannst du aber Kontraste erzeugen? Dafür stehen dir in der Fotografie verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl:

  • Farbkontraste
  • Hell-Dunkel-Kontraste
  • Inhalt-Kontraste (Gegensätze)
  • Strukturkontraste
  • Größenkontraste

Farbkontraste erzeugst du am einfachsten über die klassischen Komplementärkontraste. Rot-Grün, Orange-Blau, Gelb-Violett. Mit besten Grüßen aus dem Kunstunterricht. 🙂 Im Bild kann das dann folgendermaßen aussehen:

orange wolken über bergkulisse hinter einem see
Ein Klassiker: orange Wolken in einer sehr blauen Umgebung.

Durch die Kontrastfarben Orange und Blau entsteht ein spannender Kontrast im Bild. Das fällt auf und bleibt auch in der Instafotoflut hängen.

dicke wolken in felsiger landschaft durch die die sonne bricht
Der Kontrast zwischen den düsteren Wolken und den Sonnenstrahlen erzeugt eine ganz eigene Stimmung

Hell-Dunkel-Kontraste sorgen spürbar für Dramatik in der Szenerie. Im obigen Bild deutet der Hell-Dunkel-Kontrast an, dass das Wetter in Nordschweden sehr wechselhaft war. Während in einigen Bereichen die Sonne durch die Wolken brach, wanderten wir eher im Schatten. Wir hatten an dem Tag übrigens reichlich Glück. Hinter uns konnten wir sehen, wie sich die dicken Wolken entluden. So richtig nass geworden sind wir erst ein paar Tage später… .

industrieruine wo zwischen schutt grüne pflanzen wachsen
Eine verfallene Industrieruine, die sich die Natur zurückerobert. Sehr dankbar für uns Fotograf*innen und regt Betrachtende zu Diskussionen an.

Inhalt-Kontraste (Gegensätze) erklären sich fast schon von selbst. 🙂 Durch die Kombination von Gegensätzen bringst du die Zuschauenden zum Nachdenken. Durch inhaltliche Kontraste kannst du Menschen auffordern, sich zu positionieren, sich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen oder ihnen eine weitere Perspektive eröffnen.

das delta des flusses rapaädno von oben
Die weichen Biegungen und Rundungen des Flusses Rapaädno stehen im Gegensatz zum angrenzenden, schroffen Berg Tjakehlij

Strukturkontraste lassen sich in der Natur nicht ganz so einfach finden. Deshalb tat ich mich bei der Auswahl des Bildes ziemlich schwer. Ich hoffe, du kannst dennoch nachvollziehen, worauf ich hinaus will. Weiche sanfte Rundungen stehen im Kontrast zu scharfen Kanten und Ecken. Wie du siehst, auch ich bin noch lange nicht am Ende meiner Lernkurve… 🙂

riesiger eisberg neben einem kleinen schlauchboot
Das kleine Schlauchboot am Rande vermittelt einen Eindruck, wie gewaltig der Eisberg links eigentlich ist

Größenkontraste geben dir oftmals eine gute Möglichkeit, deinen Zuschauer*innen zu verwirren. Auf den ersten Blick fällt im Bild oben gar nicht auf, wie groß der Eisberg ist. Erst einen Moment später realisieren die meisten, dass da noch ein kleines Schlauchboot zu sehen ist. So konnte ich mit einfachen Mitteln ein an sich wenig spektakuläres Bild um einiges aufpeppen. 🙂

Das Bild saugt dich quasi in die Szenerie hinein.
Wie kann dich aber ein (zweidimensionales) Bild in die Szenerie hinein saugen? Auch hier wird der Kunstunterricht noch mal relevant. Der Effekt der Räumlichkeit ist dafür verantwortlich. Also beispielsweise führt ein Geländer den Blick in die Ferne.

steg führt auf die gefrorene ostsee
Die dominanten Geländer führen den Blick in die hinteren Bereiche des Bildes. Das Bild wirkt räumlich.

Durch das Aufeinander-Zulaufen der Geländer links und rechts, bekommen wir suggeriert, dass sich die Enden „weiter hinten“ im Bild befinden. So nehmen wir den Raum mit dem Auge wahr.

Exkurs: Räumliche Tiefe

Räumliche Tiefe erreichst du über Linien, die „in das Bild hinein“ führen. Solche Linien gibt es so gut wie überall. Du musst dir nur die Mühe machen, sie zu suchen. Hast du Linien gefunden, versuche sie zu einem Element in deinem Bild hinführen zu lassen. Und Zack!, du hast einen räumlichen Eindruck erschaffen.

fussspuren am strand
Manchmal können auch Fußspuren zu etwas gut sein. 🙂

Ein räumlicher Eindruck entsteht aber auch, in dem du dein Bild in Gedanken aufteilst: Vordergrund, Mittelgrund (ja, ich weiß, als Liebhaber der deutschen Sprache rollen sich meine Zehnägel nach oben) und Hintergrund. Wahrscheinlich kennst du zahlreiche Landschaftsbilder, in denen am unteren Bildrand, also im Vordergrund, ein Stein zu sehen ist. Von dort aus führt eine Linie zum Meer in der Bildmitte. Und schließlich wird das Bild von einem dramatischen Abend- oder Morgenhimmel im Hintergrund gekrönt.

zugefrorener see im gebirge unter orangenen wolken
Steine im Vordergrund führen zum leuchtenden See mit dem Berg und der angestrahlten Wolkenwand im Hintergrund.

Perspektive

Spannende Fotos zeigen die Welt aus ungewohnten Perspektiven. Bilder aus dem Stand, also auf Augenhöhe, wirken schnell gewöhnlich und damit langweilig. Selbst wenn sich am Himmel dramatische Szenen abspielen, lässt sich in 99% aller Fälle mit einer überraschenden Perspektive ein noch ansprechenderes Bild machen. Willst du ernsthaft Fotografieren lernen, musst du mutig sein und darfst keine Angst davor haben, schmutzig zu werden.

Was sind denn nun ungewöhnliche Perspektiven? Im Prinzip alles, was nicht der normalen Augenhöhe entspricht. Also Draufsichten oder Froschperspektiven. Gehe beim Fotografieren einfach mal in die Knie. Du wirst merken, die Welt sieht gleich ganz anders aus. Treibe das Spiel auf die Spitze und lege dich auf den Boden. So entstehen ungewöhnliche Bilder, an denen andere beim Betrachten hängen bleiben. Versprochen.

weihnachtskugel schwimmt im meer
Bild einer Weihnachtsbaumkugel aus normaler (stehender) Position am Strand.
weihnachtskugel am strand aus bodennaher perspektive
Und hier die Weihnachtsbaumkugel aus einer gänzlich anderen Perspektive.

Für obiges Foto lag ich übrigens bäuchlings am Strand. Die Blicke der anderen Menschen brauche ich dir wahrscheinlich nicht beschreiben. Wirklich köstlich. 🙂 Aber wert war es mir die abschätzigen Blicke allemal. Denn dieses Bild diente mir als Weihnachtskarte und kam ausgesprochen gut an. Also: Augen auf und Perspektive verändern.

Übrigens: Perspektivwechsel heißt Bewegung. Denn erst dadurch findest du neue Blickwinkel. Geh‘ dicht (wenn möglich) an dein Motiv heran oder bewege dich mal ein Stück davon weg. Lege dein Motiv an einen Bildrand, schneide es an, etc. Deiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Probier‘ dich aus!

Kombinierst du die ungewöhnliche Perspektive mit einer guten Linienführung bringst du deine Fotografie bereits auf ein neues Level. Gänzlich ohne Geld auszugeben. Du brauchst lediglich ein wenig Überwindung und den Mut, dich schräg angucken zu lassen.

Bildaufteilung

Wenn du es ernst meinst, mit dem Fotografieren lernen, müssen wir erneut kurz den Kunstunterricht ins Gedächtnis rufen. Ich bin mir sicher, auch du hast garantiert schon etwas vom „Goldenen Schnitt“ gehört. Zur Erinnerung: „Als Goldener Schnitt (lateinisch sectio aurea, proportio divina) wird das Teilungsverhältnis einer Strecke oder anderen Größe bezeichnet, bei dem das Verhältnis des Ganzen zu seinem größeren Teil (auch Major genannt) dem Verhältnis des größeren zum kleineren Teil (dem Minor) gleich ist.“ (Quelle: Wikipedia) Alles klar? 🙂 Falls nicht, lass es mich einfacher erklären. Der Goldene Schnitt teilt eine Fläche harmonisch auf. Das galt und gilt für alle bildende Künste, also auch die Fotografie.

Drittelregel

Wesentlich einfacher und besser zu verstehen ist die an den Goldenen Schnitt angelehnte „Drittelregel“. Hierbei wird eine Fläche mit vier Geraden in neun gleich große Rechtecke aufgeteilt:

drittelregel als muster über ein bild gelegt
Hier die Drittelregel in Anwendung

Diese Regel leitet sich von der Sehweise ab, wie wir Menschen Bilder betrachten. So rate ich dir, dass du wichtige Sachen auf die Schnittpunkte der Geraden legst:

  • dein Bild wirkt aufgeräumt
  • wichtige Informationen werden sofort erfasst
  • dein Bild wirkt harmonisch
  • Zuschauende erkennen, dass du dir beim Aufnehmen des Bildes Gedanken gemacht hast

Auch hier haben Digitalkameras einen sehr großen Vorteil: Du kannst dir im Display der Kamera so ein Gitternetz einblenden lassen. So kannst du direkt bei der Aufnahme darauf achten, wo du Elemente im Bild platzierst. (Okay, ich will nicht verheimlichen, dass dies auch bei analogen Kameras funktioniert. Ist aber lange nicht so bequem. 🙂 )

Fotografie: Malen mit Licht

„Fotografieren“ bedeutet wörtlich übersetzt: „Malen mit Licht“. Nichts anderes machst du, wenn du dein Telefon zückst, die Kamera startest und ein Bild aufnimmst. Du malst mit Licht. Deswegen ist das Licht auch der entscheidende Faktor beim Fotografieren (sagt ja schon der Name(:). Das bedeutet aber im Umkehrschluss: Wo kein (gutes) Licht ist, entstehen nur selten gute Fotos.

„Licht ist alles. Ohne Licht, ist alles nichts.“

plöner see in pastellfarben
Mit dem richtigen Licht kann auch eine eher unspektakuläre Aussicht faszinierend wirken

Sonnenunter- und Sonnenaufgänge sind nicht umsonst die am meisten fotografierten Motive (abgesehen von Katzen und Hundewelpen…). Denn zu diesen Zeiten entstehen einzigartige Farben am Himmel. Diese dann auf einem Sensor oder einem Film einzufangen, ist gar nicht so einfach wie du vielleicht denkst.

Zu verschiedenen Tageszeiten ist das Licht jeweils sehr verschieden, zumindest draußen. Besonders beliebt sind die Zeiten unmittelbar vor und nach dem Sonnenauf- bzw. -untergang. Diese Zeiten tragen sogar eigene Namen: „Goldene Stunde“ und „Blaue Stunde“. Zwei Begriffe, um die du beim Fotografieren lernen nicht herum kommst.

Goldene Stunde

Die Goldene Stunde profitiert von einem sehr flachen Einfallswinkel der Sonne auf die Erde. So entstehen sehr lange Schatten. Das Licht selbst wirkt sehr warm und weich. Diese Stunde gehört sowohl morgens als auch abends zu meinen Lieblingszeiten. Ich mag diese goldenen Farbtöne. Wie der Name schon sagt: Die Goldene Stunde bezeichnet ca. eine Stunde nach Sonnenaufgang oder ca. eine Stunde vor Sonnenuntergang.

sonnenaufgang im wald
Die Sonne steht noch recht tief. Lange Schatten und warmes, weiches Licht sind die Folge.

Blaue Stunde

Die Blaue Stunde ist die Zeit, wenn die Sonne bereits oder noch hinter dem Horizont steht. Der Himmel erhält dadurch ein sehr tiefes Blau. Die Farben wirken generell eher pastellartig. Grundsätzlich ebenfalls eine sehr schöne Zeit zum Fotografieren. Die Blaue Stunde bezeichnet also ca. eine Stunde vor dem Sonnenaufgang bzw. ca. eine Stunde nach dem Sonnenuntergang.

steg einer seebrücke auf der ostsee im abendlicht
Der Himmel färbt sich tiefblau, die ersten Sterne tauchen auf und am Horizont strahlen kräftige Pastelltöne, die Blaue Stunde.

Probiere es unbedingt mal aus, zu diesen Uhrzeiten zu fotografieren. Du wirst sehen, es lohnt sich! Besonders im Sommer kann der Sonnenaufgang um 4:45 Uhr eine echte Herausforderung werden. Wer steht schon freiwillig um diese Uhrzeit auf?!

Übrigens: Wenn du dich für den Bereich Landschaftsfotografie interessiert und intensiver reinschnuppern möchtest, sein dir einer Tatsache bewusst: Entweder du stehst zu völlig absurden Uhrzeiten auf, oder du frierst dir den Allerwertesten ab. Häufig sogar beides… Und trotzdem macht es, mir zumindest, einfach unglaublich viel Spaß!

Falls du Interesse hast, sieh doch mal im Artikel Sonnenuntergang an der Ostsee fotografieren nach. Dort habe ich dir ausführlich aufgeschrieben, wie ich bei Sonnenuntergängen an der Ostsee vorgehe. Nach der ganzen Theorie kommen wir nun kurz auf die Technik zu sprechen.

Kamera

Klar, ohne Kamera lässt es sich schlecht fotografieren. Was du als Kamera verwendest, bleibt dir völlig selbst überlassen. Die ersten Kameras kamen im 19. Jahrhundert auf. Damals schleppten die Fotografen noch dicke Metallplatten und die Belichtungszeiten betrugen Stunden. Der technische Fortschritt hat diesen Prozess zum Glück vereinfacht. Keine Magnesiumfackeln mehr, keine Vorhänge und stundenlanges Stillsitzen. Handy aus der Tasche, aufs Display patschen, fertig. So einfach geht fotografieren heute. Denkt zumindest der überwiegende Teil. Aber schon hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Auch wenn ich dir kurz vorher sagte, die Art der Kamera ist egal: Kannst du Einstellungen an der Kamera selbst vornehmen, kannst du mehr Einfluss auf das Bildergebnis nehmen. Oder aber du überlässt irgendwelchen Algorithmen die Einstellungen der Kamera, dann kommt mit Sicherheit irgendwas raus. Meist nichts Schlechtes, aber eben nur Durchschnitt. Und davon willst du ja weg und willst das Fotografieren lernen.

Beschäftige dich mit deiner Kamera. Sieh dir an, was du alles verstellen kannst. Und probiere es direkt auch mal aus (solange die Kamera digitale Bilder ausspuckt…). Falls es dich interessiert, unter Ausrüstung habe ich angefangen, meinen Ausrüstungswerdegang aufzuschreiben. Du musst ja nicht in die gleichen Fettnäpfchen hüpfen wie ich. 🙂

Fotografieren lernen heißt: Einstellungen vornehmen, die die Bildaussage verstärken.

Kommen wir kurz zu technischen Details. Welche grundlegenden Einstellungen nehmen Einfluss auf das Bild?

  • Die Belichtungszeit,
  • die Blende
  • die Lichtempfindlichkeit des Aufnahmemediums (Sensor, Film, Platte).

Diese drei Parameter sind grundsätzlich für die Belichtung eines Bildes verantwortlich. Daran hat sich seit der Erfindung der Fotografie nicht viel verändert. Allein der dritte Punkt hat durch die Digitalisierung einen Schub erfahren. Und diese drei Begriffe und die Prinzipien sind absolut grundlegend um das Fotografieren zu lernen. Doch der Reihe nach.

Belichtungszeit

Die Belichtungszeit gibt an, wie lang Licht durch die Linsenkonstruktionen auf den Sensor/Film trifft. Steht sehr viel Licht zur Verfügung, wird die Zeit sehr kurz gewählt. Beispielsweise wenn du direkt in die Sonne fotografierst oder ein Bild unter einem Baustellenscheinwerfer aufnimmst. Die Zeit der Belichtung verlängert sich, je weniger Licht vorhanden ist. Später am Abend, wenn die Sonne verschwindet, verlängert sich die Belichtungszeit.

welle kracht über bunker
Eine sehr kurze Belichtungszeit „friert“ das Wasser der Welle ein

Dies hat unterschiedliche Effekte. Eine sehr kurze Belichtungszeit „friert“ Bewegungen ein. Bei starkem Wellengang kannst du so einzelne Wassertropfen einer brechenden Welle einfangen. Eine sehr lange Belichtungszeit lässt Bewegungen verwischen. So erscheint das Meer beispielsweise verschwommen, ja fast schon wie Nebel.

schnell ziehende wolken über see
Durch eine sehr lange Belichtungszeit verschwimmen die Wolken am Himmel durch ihre Bewegung

Blende

Die Blende lässt sich gar nicht so einfach erklären. Die technische Definition lautet (sehr vereinfacht) folgendermaßen: Die Blende begrenzt den Querschnitt an Strahlenbündeln. Das hilft dir vermutlich nur wenig. Die Blende hat aber sehr große Auswirkungen in der Fotografie. Sicher kennst du Bilder, in denen ein Objekt, Mensch oder Tier im Vordergrund deutlich und scharf zu erkennen ist, während der Hintergrund verschwimmt. Dies hängt maßgeblich mit der Blende zusammen.

muschel am strand in unschärfe
Durch eine sehr weit geöffnete Blende wird nur ein kleiner Bereich des Bildes scharf, der Rest verschwimmt in Unschärfe

Die Blende sitzt im Objektiv, bzw, zwischen den Linsen. Abseits der Physik solltest du wissen, dass du mit der Blende den Bereich steuerst, der in deinem Bild scharf zu erkennen ist, die sogenannte Tiefenschärfe. Je weiter offen die Blende bei der Aufnahme ist (je kleiner die Zahl der Blende), desto geringer fällt der Bereich der Schärfe aus. Gleichzeitig kommt durch die weit geöffnete Blende mehr Licht auf Sensor/Film. Du kannst bei einer weit geöffneten Blende also kürzer belichten.

ruhier see unter dichten wolken
Damit alle Bereiche des Bildes scharf aufgenommen werden, wählte ich für dieses Bild eine sehr weit geschlossene Blende

Die Lichtempfindlichkeit (ISO)

Die Lichtempfindlichkeit gibt an, wie viel Licht auf Sensor/Film fallen muss, um ein Bild zu erhalten. In der Zeit der analogen Fotografie, war der Wert der Lichtempfindlichkeit durch das Einlegen des Films festgelegt. Hier brachte die Digitalisierung enorme Vorteile. Denn nun kannst du bei jeder Aufnahme neu entscheiden, wie empfindlich dein Sensor sein soll. Je höher die Lichtempfindlichkeit, desto anfälliger wird der Sensor für Bildfehler, das sogenannte Rauschen.

milchstraße über steinbuhne
Insbesondere im Bereich des Wassers fällt das Bildrauschen auch in geringer Auflösung auf, dies ist der hohen Lichtempfindlichkeit geschuldet

Es gibt eine Faustregel bei der Lichtempfindlichkeit: „So niedrig wie möglich, so hoch wie nötig.“

Zusammenfassung

belichtungsdreieck schmeatisch dargestellt

Am besten du stellst dir die Zusammensetzung der Belichtung wie ein Dreieck vor. Die einzelnen Ecken sind mit Fäden verbunden, welche auf Spannung stehen. Ziehst du an der einen Ecke, verändern sich auch die anderen Ecken. Veränderst du beispielsweise die Belichtungszeit, musst du Blende und Lichtempfindlichkeit ebenfalls anpassen. Hier gilt: Überlege dir, was du in deinem Bild zeigen willst. Willst du einen laufenden Hund in der Bewegung einfrieren, brauchst du eine kurze Belichtungszeit. Du musst also die Blende soweit öffnen wie es das Objektiv zulässt. Ist dein Bild immer noch zu dunkel, bleibt dir nur, die Lichtempfindlichkeit zu erhöhen. Willst du in deinem Bild einen sehr großen Bereich scharf haben, wählst du eine sehr große Blendenzahl (sehr kleine Blendenöffnung). Dadurch kommt zwar wenig Licht auf den Sensor, dafür ist der Bereich der Schärfe sehr tief. Entsprechend musst du die Belichtungszeit verlängern oder die Lichtempfindlichkeit erhöhen. In den meisten Fällen beides.

Vielleicht kannst du jetzt erahnen, weshalb du beim Fotografieren lernen auf eine Kamera zurückgreifen können solltest, an der du die drei genannten Parameter verändern kannst. 🙂 Aber auch hier gilt: Ausprobieren! Spiele ein wenig mit den Parametern herum. So erkennst du am besten, wie sie sich auf das Gesamtbild auswirken.

Stativ

Ja, ich bin der festen Überzeugung, dass ein Stativ zum Fotografieren lernen absolut essentiell ist. Ein Stativ verschafft dir Ruhe und Zeit. Denn während du aus der Hand Bildausschnitt und Einstellungen gleichzeitig beachten musst, kannst du das auf dem Stativ ganz in Ruhe hintereinander.

Ganz ehrlich: Als ich mir mein erstes Stativ kaufte begann ich erst so richtig zu fotografieren. Einfach in dem ich mir sehr viel Zeit nahm, durch den Sucher zu schauen und bewusst auf Details zu achten. Hatte ich meinen Ausschnitt gefunden, nahm ich mir ganz in Ruhe die Einstellungen vor. Und auch dabei profitierst du mit einem Stativ. Denn so kannst du mit dem immergleichen Bildausschnitt verschiedene Einstellungen probieren.

Auch wenn es im ersten Moment unpraktisch erscheint: Ein Stativ gehört für mich zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen, wenn du ernsthaft fotografieren lernen willst. Ja, auch beim Handy. Gibt da ja mittlerweile günstige und gute Lösungen.

Eine Empfehlung will ich an dieser Stelle nicht abgeben. Dafür ist der Markt zu groß und unübersichtlich. Worauf du achten solltest: Es sollte logischerweise deine Kamera tragen können und stabil stehen. Zusätzlich ist es sehr angenehm, wenn du bodennah fotografieren kannst. Preislich und im Hinblick auf das Gewicht gibt es keine Grenzen.

Lass‘ dir aber versichert sein: EIn Stativ wird dir mit Sicherheit nicht reichen. Denn die stabilen und großen Stative sind alles andere als handlich. Für eine Rucksacktour nutze ich deshalb kleinere und leichtere Varianten. Bin mir dann allerdings auch im Klaren darüber, dass diese Lösungen nicht sehr stabil sind und starkem Wind nicht viel entgegensetzen können.

Die Phototraveller haben in ihrem Reisestativcheck allerhand wissenswerte Infos zusammengesammelt. Dieser sei dir vor dem Kauf ans Herz gelegt.

Nachbereitung

Gehen wir davon aus, du hast meine Hinweise beherzigt, bist zu einer völlig absurden Zeit aus dem Bett gestiegen, hast dir ein schönes Plätzchen gesucht und Aufnahmen des Sonnenaufgangs gemacht. Dafür gebürt dir jede Menge Respekt! Es fehlt nun aber noch ein letzter und ebenfalls entscheidender Schritt. Du musst deine Ergebnisse sichten. Bild für Bild durchsehen. Achte auf Auffälligkeiten. Was gefällt dir an einem Bild, was gar nicht. Wie kommen verschiedene Einstellungen zum Tragen? Hast du mit den Perspektiven gespielt? Lagst du bäuchlings im Dreck?

Schau‘ dir auch an, ob dir im Nachhinein Linien auffallen, die du beim Fotografieren übersehen hast. Merke dir, welche Positionen gute Ergebnisse brachten.

Wenn du ein weiteres Mal zu diesem Platz fährst, wirst du von deinen Erkenntnissen profitieren, versprochen!

Abschluss

So, du hast es geschafft. Wenn du hier angekommen bist, hast du ganz viele Informationen gesammelt und gelesen, die dir dabei helfen, deine Fotos aus der Masse der Knipsereien herauszuheben. Denn Hexenwerk ist das Fotografieren wirklich nicht. Viel mehr zählen Geduld, Erfahrung und Neugier. Probier‘ dich aus.

Und folge dem Rat, den ich bei Detlev Motz gefunden habe: „Wer als Anfänger die Gestaltungsregeln der Fotografie ignoriert, hat keinen Verstand. Wer sich aber fotolebenslang daran klammert, hat keine Phantasie.“

Und falls du in die Falle der Fotoforen tappst, verinnerliche dir folgendes Zitat eines der Großmeister der Fotografie, Andreas Feininger: „Die Tatsache, dass eine technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmäßig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind, zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht.“

In diesem Sinne wünsche ich dir allzeit „Gut Licht!“ Lass mir gern einen Kommentar da und berichte von deinen Ergebnissen und Fortschritten. Ich bin sehr gespannt.

Achtsamkeit und Wandern

graues wetter tiefhägende wolken über einem see in grönland
Grau, und doch wunderschön! Der Arctic Circle Trail auf Grönland.

Ein kühler Wind weht. Tiefe, dunkle Wolken hängen am Horizont. Jeder Schritt wird von einem schmatzenden Geräusch des Matsches auf dem Pfad begleitet. Der Rucksack steigert gefühlt sein Gewicht mit jedem Meter. Und doch kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Was hat diese Beschreibung nun aber mit Achtsamkeit zu tun?

Tag 7 auf dem Arctic Circle Trail (kurz „ACT“) in Grönland. Der Langstreckenwanderweg führt 170km durch die grönländische Wildnis. Allmählich rückt das Ziel näher. In einer Woche haben wir über 100km zu Fuß zurückgelegt. Bepackt mit einem schweren Rucksack. Darin steckt alles, was wir zum Überleben brauchen. Wir kamen vom Weg ab, liefen in die falsche Richtung, verloren bei der Suche nach einer Brücke die Orientierung. Bereits am ersten Tag mussten wir entscheiden, ob wir den Weg wirklich weiter laufen wollen oder doch abbrechen: Von drei Gaskartuschen passte nur eine an den Kocher. Regen weichte den Boden der arktischen Tundra auf. Der Untergrund lief sich mit jedem Tag schlechter.

oleg und konrad sitzen in der grönländischen wildnis auf einem stein
Die letzte Etappe auf dem ACT: gezeichnet aber innerlich geerdet und völlig zufrieden und glücklich

Und doch gehört die Wanderung auf dem ACT zu einer der schönsten Erfahrungen in meinem Leben. Gerade wegen der Schwierigkeiten und einiger Fehler. Denn am Ende überwog das Glücksgefühl. Ich habe es geschafft. Und dabei um mich herum alles Belastende vergessen. Ich lebte 9 Tage lang nur in der Gegenwart. Ich lernte mich ganz neu kennen. Und war überrascht, was ich leisten kann. Auf dem Arctic Circle Trail erkannte ich außerdem die intensive Verbindung zwischen Achtsamkeit und Wandern.

Wandern und Achtsamkeit

achtsamkeit in völliger ruhe an einem ufer eines sees in grönland
Alles, was es braucht um glücklich zu sein: Rucksack, Wanderstiefel, Kaffeetasse, Känguru.

Wandern und Achtsamkeit haben eine Menge Gemeinsamkeiten. Seit 2013 setze ich mich mit Achtsamkeit auseinander. Eine erste und heftige depressive Episode warf mich unvermittelt und plötzlich komplett aus der Bahn. Es wurde Zeit, mehr auf mich selbst zu achten. Also setzte ich mich mit der Methode der Achtsamkeit auseinander. Bis heute nutze ich Achtsamkeitsmethoden, um depressive Episoden abzuschwächen oder zu umgehen. Eine meiner Methoden ist eine jährliche, mehrtägige Wanderung im hohen (sub-)arktischen Norden. Dabei lade ich meinen Akku für den anstehenden Herbst auf.

Durch verschiedene Zufälle traf ich 2016 auf meinen Wanderkumpel. Bereits auf unserer ersten Trekkingtour in Island, dem Laugavegur, bemerkte ich eine enge Verbindung zwischen Achtsamkeit und Wandern. Weitere Touren halfen mir in schwierigen Phasen und bei weitreichenden Entscheidungen.

Und hier will ich dir nun zeigen, weshalb Wandern für mich zu den Achtsamkeitsmethoden schlechthin zählt. Zunächst aber ein kurzer Überblick über den das Thema „Achtsamkeit“ und Depressionen. 🙂

Achtsamkeit und Depression

Depressionen entstehen durch eine dauerhafte Überlastung. Der Körper steht unter Stress und befindet sich im „Kampf oder Flucht“-Modus. Irgendwann wird es zuviel. Durch die ständige Alarmbereitschaft reagiert der Körper über. Es reichen Kleinigkeiten, um dich völlig aus dem Konzept zu bringen und zu überfordern. Oftmals sind diese Kleinigkeiten nicht real, sondern entspringen nur unserer Phantasie oder entstehen durch die (Über)Interpretation von menschlichem Verhalten.

Mit Hilfe von Achtsamkeitsmethoden lernst du, dich ganz auf die Gegenwart zu konzentrieren. Mir hilft in stressigen Situationen die Augen zu schließen und mich aufs Hören zu konzentrieren. Ich versuche die Vielfalt an Geräuschen bewusst wahrzunehmen. Es ist absolut erstaunlich, wie facettenreich die Klangwelt ist. Diese kurzen Momente helfen mir, mich sehr schnell wieder zu erden. Meist stelle ich nach so einem kurzen Moment fest, dass die Stressoren gar nicht so dramatisch sind.

Von diesen Methoden gibt es einige. Und alle zielen darauf ab, dich wieder in die Gegenwart zu holen. Mit ein wenig Übung verschwinden die (unnötigen) stressigen Gedanken. Was mir übrigens in unangenehmen Situationen auch hilft: Ich erinnere mich an schöne Erlebnisse, wie beispielsweise meine Wanderungen. Daraus ziehe ich ganz viel Selbstbewusstsein und lasse mich schwerer verunsichern und stressen.

So, wo haben nun aber Achtsamkeit und Wandern enge Berührungspunkte?

Beim Wandern nimmst du die Natur um dich ungefiltert wahr

Fast anderthalb Tage lang liefen wir in Grönland am Ufer eines Sees entlang. Die Vegetation sorgt dabei auf den ersten Blick für wenig Abwechslung. Und doch entfaltet sich vor unseren Augen eine wundervolle Pflanzenwelt. Hochspezialisiert überlebt sie in einer der lebensfeindlichsten Regionen der Erde. Das langsame Wandertempo ermöglicht uns, diese Flora intensiv wahrzunehmen. Wir haben jede Menge Zeit, die Natur zu bewundern. Und in kleinen Pausen genießen wir die herrliche, natürliche Stille.

lake amitsorsuaq under blue sky with green-blue water at the arctic circle trail
Der See Amitsorsuaq, anderthalb Tage liefen wir am Ufer dieses Sees entlang.

Aber nicht nur die Pflanzenwelt beeindruckt: Auch die Tierwelt ist hier oben hart im Nehmen. Ich kann den Überlebenswillen der Mosquitos nur bewundern. Selbst unter den Beckengurt meines Rucksacks sind sie geflogen um Blut zu tanken. Und auch einige Rentiere sahen wir. Eins davon aus anderthalb Metern Entfernung… 🙂 Es hätte nicht viel gefehlt und es hätte uns über den Haufen gerannt.

All das sorgt dafür, dass wir unseren Alltag außerhalb Grönlands bereits nach den ersten zwei Kilometern völlig vergessen. Die vielen Eindrücke bringen uns in kürzester Zeit in die bezaubernde Natur Grönlands. Und das ging uns nicht nur dort so. Ebenso eindrücklich war der Sarek Nationalpark in Nordschweden. In beiden Regionen hatten wir übrigens auch keinerlei Handyempfang. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sehr befreiend.

Wandern bedeutet Reduktion auf das Wesentliche

Und das Wesentliche ist erstaunlich wenig. Durch den Rucksack stellst du sehr schnell fest, was du tatsächlich brauchst. Natürlich machst du am Anfang Fehler. Ich mache die auch heute noch. 🙂 (Mein Highlight ist die Stirnlampe. Die schleppte ich auch noch bei meiner vierten Tour mit.). Und spätestens, wenn du die erste Etappe hinter dir hast, wirst du dich fragen, weshalb du so viel schweres Gerümpel eingepackt hast.:) Das ist völlig normal und geht allen Wandernden so. Zeitschrift, Laptop, Buch, Tablet… All das wird spätestens nach einer Proberunde aus dem Rucksack fliegen.

Bist du Neuling im Bereich Trekking? Folge dem Link, dort zeige ich dir, was du zum Trekking alles brauchst.

riesiger haufen trekkingausrüstung liegt auf einem tisch
Der Tisch ist voll. Das alles steckt für eine Wanderung von 12 Tagen in meinem Rucksack. Zusammengenommen mit Essen und Wasser 27kg. Dafür bin ich dann auch völlig unabhängig.

Doch reduziert das Wandern nicht nur materiell. Innerhalb kürzester Zeit kreisen meine Gedanken nur noch um existentiellen Sachen: Essen, Laufen, Schlafen. Ängste und Sorgen verflüchtigen sich. Ich setze mich nur noch mit realen Dingen auseinander: Wegplanung, Wetterbeobachtung, Zeltplatzsuche. Na ja, und der Entscheidung, welches Trekkinggericht ich mir am Abend munden lassen werde… 🙂

sone bricht durch dicke wolken und strahlt schroffe berge an
Die dicken Regenwolken treiben uns Sorgenfalten ins Gesicht. Wandern im Regen macht weniger Spaß als bei trockenem Wetter

Sorgen tauchen natürlich auch auf. Aber sie gelten realen Dingen. In den meisten Fällen dem Wetterbericht bzw. den Wetterbeobachtungen. Und auch wenn Wandern im Regen mäßig Spaß bringt: Es gehört einfach dazu.

Wenn du in der Wildnis des hohen Nordens unterwegs bist, triffst du nur wenige Menschen (zumindest abseits der populärsten Wanderwege). Und wenn es zu Treffen kommt, kreisen die Gespräche um’s Wetter, die Wegbeschaffenheit und den Wasserstand bei bevorstehenden Flussquerungen. Ich empfinde das als herrlich unkompliziert. Beim Wandern zählen Erfahrung, Geschichten und Erlebnisse. Und übrigens: Gerade als Anfänger habe ich eigentlich nur positive Erfahrungen mit anderen Wanderer*innen gemacht. Ein grundlegend angenehmer und hilfsbereiter Schlag Mensch.

Wandern bedeutet Ruhe und Einsamkeit

Selbst auf dem Laugavegur (im Wandererjargon auch „Laugaautobahn“ genannt) fand ich immer wieder Plätzchen, in denen ich die völlige Ruhe und Einsamkeit der Natur genießen konnte. Kein Stimmengewirr, kein Maschinenlärm, nur der pfeifende Wind und ein rauschender Fluss.

Wandern heißt verhältnismäßig langsam voran zu kommen. Das beruhigt den Kopf, allerdings nicht die Beine.:) Die haben Schwerstarbeit zu leisten. Durch die gemächliche Geschwindigkeit habe ich reichlich Zeit, meine Umgebung bewusst wahrzunehmen. Im Sarek wanderten wir einmal nur einen halben Tag. die zweite Hälfte nutzten wir, um uns auszuschlafen. Und drei Stunden lang erfolglos ein kleines Lagerfeuer zu entfachen…

blick durch dichte birkenzweige auf eine massive felswand in nordschweden
Bei dieser Aussicht verbrachten wir einen kompletten Nachmittag mit völlig sinnlosen Dingen und zelebrierten die Langeweile. Ein wundervolles Erlebnis.
Zelt im Sarek Nationalpark
Ein Abend im Sarek Nationalpark. Absolute Ruhe und Einsamkeit. Eine Wohltat für Leib und Seele.

Genug Möglichkeiten für den Geist also, sich von der Reizüberflutung im Alltag zu erholen. Das ruhige Tempo unterstützt dich dabei. Du rauschst nicht durch die Landschaft, wie beim Autofahren. Sondern Stück für Stück wirst du ein Teil davon. Mir half diese Erfahrung meine Probleme in die richtige Relation zu bringen. Vor riesigen Bergwänden, die Jahrtausende überdauerten, werden einige Themen erstaunlich klein. Und das sorgt bei mir für sehr viel Gelassenheit. 🙂 Hier kann ich auch allein sein. Es stört mich nicht.

red sunset in the ice-Fjord in Ilulissat small boat in front of a huge block of ice
Der Ilulissateisfjord zum Sonnenuntergang, stundenlang könnte ich hier sitzen und auf’s Eis starren. Einsamkeit empfinde ich hier als Geschenk.

Wandern heißt, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen

Beim Wandern achtest du ganz automatisch auf die Signale deines Körpers. Und du wirst überrascht sein, was du leisten kannst. Denn häufig schränkt dich nicht dein Körper ein. Sondern deine Psyche setzt willkürliche Grenzen. Hätte mir jemand vor dem Sarek gesagt, dass ich ein fast senkrechtes Geröllfeld nach dem Regen emporklettern würde, hätte ich ihm direkt einen Vogel gezeigt. Denn meine Höhenangst machte mir schon häufig schwer zu schaffen.

fluss schlängelt sich zwischen bergketten durch grüne täler
Wir kletterten an der Bergflanke entlang nach oben. Der Ausblick nach der Tortur entschädigte uns.

Und doch haben wir diese Herausforderung gemeistert. Zwar haben wir geflucht, gezetert und dachten mehr als einmal ans Umkehren. Aber auch diese Tortur hatte schließlich ein Ende. Ob ich diese Passage noch einmal gehen würde, weiß ich nicht. Aber im Rückblick überwiegt der Stolz, diese Herausforderung überwunden zu haben.

Die Ruhe und die Natur lassen dir den Raum, dich auf sich selbst zu konzentrieren. Höre auf deinen Körper. Lass‘ deinen Gedanken freien Raum. Du wirst sehen, sie kommen und gehen. Negative wie positive Gedanken. Und du hast jede Menge Zeit zu entscheiden, welche Gedanken du festhalten möchtest.

Wandern lehrt Ruhe, Gelassenheit und Geduld

Ich will dir keine Illusionen machen: Beim Wandern triffst du auf Herausforderungen und Schwierigkeiten. Da kann deine Planung noch so gut sein. Kleines Beispiel: 2020 waren wir das vierte Mal auf Trekkingtour. Ich bildete mir ein, wir hätten mittlerweile Routine. Einkaufen, vorbereiten und packen liefen reibungslos. Bis wir an einem herrlichen Zeltplatz bemerkten, dass ich die Zeltstangen verloren hatte. Nach dem ich mich abreagierte hatte, schmiedeten wir einen Plan um die Tour zu retten. Der funktionierte dann auch. In Grönland erlebten wir ähnliches, ich erwähnte die falschen Kartuschen bereits.

zelt am see vor riesiger bergwand
Ein wunderbarer Zeltplatz. Hier blieben wir und beschäftigten uns damit, drei Stunden lang Steine ins Wasser zu werfen.

Zur Gelassenheit gesellt sich die Geduld. Sachen in Ruhe und gewissenhaft zu erledigen, verhindert Missgeschicke. Auch hier ein kleines Beispiel:

blick über birkenwald, einen fluss und im hintergrund schneebedeckte berggipfel
Etwa 35 Meter über dem Fluss fanden wir einen großartigen Zeltplatz. Direkt am steilen Ufer. Wasser aus dem Fluss zu holen, schien uns auf den ersten Blick unmöglich.

Nach anstrengendem Wandern durch dichtes Unterholz im Sarek fanden wir einen herrlichen Zeltplatz. Allerdings fanden wir in unmittelbarer Umgebung kein frisches Wasser. Das Flussufer wirkte zu steil. Statt unsere Umgebung ein wenig genauer abzusuchen, starrten wir auf die Karte. Wir entschlossen uns weiter zu laufen. Zum dichten Unterholz kam knietiefer Matsch auf dem Pfad dazu. Nach einer halben Stunde fanden wir immer noch kein frisches Wasser und auch keinen Zeltplatz. Wir kehrten um und begannen das Zelt aufzubauen. Im Anschluss lief ich ein wenig an der Uferkante herum. Dort entdeckte ich einen Pfad zum Fluss. Es kostete mich keine 30 Sekunden und ich stand direkt am Ufer. Große Steine machten das Wasser schöpfen sehr einfach.

Hätten wir einen Moment genauer hingesehen, hätten wir uns eine gute Stunde üblen Matschwanderns gespart. 🙂 Und in meinem Kopf reifte die Erkenntnis: Achte sorgfältig auf deine Umgebung. das spart Mühe und beugt schlechter Laune vor.

Fazit: Wandern = Achtsamkeit

Wie du siehst, Wandern hat tatsächlich ganz viel mit Achtsamkeit zu tun. Gleichzeitig lehrt dich die Natur, deine Ängste, Sorgen und Nöte in einer anderen Relation zu sehen. Durch das Wandern verschwindet die Hektik des Alltags. Das langsame Tempo und die körperliche Anstrengung lassen dich häufig innehalten. So erhältst du die Möglichkeit, dich intensiv mit deiner Umgebung auseinanderzusetzen.

Auch wirst du sehr viel Zeit haben dich mit dir selbst auseinanderzusetzen. Die körperliche Anstrengung sorgt dafür, dass du dich fast nur noch mit deiner Gegenwart beschäftigen wirst. Die Grundbedürfnisse Laufen, Essen, Schlafen stehen im Vordergrund. Der Gedankenfokus verschiebt sich.

Und es gibt noch weitere Vorteile: Durch das Wandern schaffst du dir Erlebnisse, die deinen Selbstwert stärken. Du lernst, auf die Signale deines Körpers zu hören, wirst Ängste überwinden und die Ruhe der Natur wird dich noch weit über deine Wanderung hinaus im Alltag tragen.

Dieser Beitrag erschien als Gastbeitrag auf der Seite www.kompasszeit.de

Nach Grönland reisen – Warum es sich nicht für jeden lohnt

karge landschaft in westgrönland mit schrofen felsen und flechten, moosen und kriechweiden
Wer im Urlaub dichte Vegetation und viel Wald sucht, sollte nicht unbedingt nach Grönland reisen. Die arktische Tundra weiß aber ganz anders zu faszinieren. 🙂

Nach Grönland reisen: das klingt nach Abenteuer, Expedition und ganz weit weg von der Zivilisation. Und genau so fühlt es sich auch an. Die Natur ist spektakulär. Die arktische Tundra, die Eisberge und die schroffen Berge sorgen für tiefgehende Eindrücke. Und nun bist du dir aber nicht sicher, ob Grönland das richtige Reiseziel ist.

Nun, lass mich dir ein paar Sachen zu Grönland erklären. Wenn du alle Punkte mit „Nein“ beantwortest und dabei durchgehend schmunzeln musst, bist du wohl bereit um nach Grönland zu reisen.:)

Urlaub heißt für dich Luxus.

Grönlands Tourismus steckt noch in den Anfängen. Schicke Hotels, angesagte Restaurants und trendige Nachtclubs wirst du auf Grönland wohl nur in Nuuk, der Hauptstadt, finden. Eine Ausnahme bildet noch Ilulissat. In der Hautpstadt der Eisberge gibt es mit dem Hotel Arctic das nördlichste Vier-Sterne-Hotel der Welt. Die übrigen Unterkünfte verfügen über einen geringeren Standard. Was sich in den Preisen aber nicht widerspiegelt. Der Grund dafür ist einfach: Alles, was in Grönland zum Bauen oder Einrichten benötigt wird, muss per Schiff angeliefert werden.

Hütte und umgebung am seeufer in grönland
Der Luxus in Grönland besteht aus der faszinierenden Natur

Aber gerade diese Art von Luxus macht den Reiz einer Grönland Reise aus. Wenn du sowieso die meiste Zeit draußen verbringst, brauchst du kein luxuriöses Hotelzimmer. Und damit kommen wir schon zu Grund Nummer 2:

Du gehst nicht gern wandern.

Du hast am Wandern nur wenig Freude? Und eigentlich findest du es stinklangweilig Gegenden Schritt für Schritt zu erkunden? Okay, dann solltest du definitiv nicht nach Grönland reisen. Die eigenen Füße sind DAS Fortbewegungsmittel in Grönland. In den größeren Städten gibt es zwar auch Busse und Taxiunternehmen. Die Gebiete sind aber derartig überschaubar, dass eine Taxifahrt eigentlich kaum Sinn ergibt. Außer vielleicht in Nuuk, der Hauptstadt.

grüne wiese vor dem ufer des eisfjords in ilulissat
Vom Hafen bis zum Eisfjord dauert es zu Fuß keine halbe Stunde.

Um den wahren Luxus Grönlands kennenzulernen, brauchst du in der Regel maximal eine halbe Stunde zu Fuß. Spätestens dann bist du mitten in der Wildnis.

Und die ist beeindruckend. Dazu schwindet das Zeitgefühl. Du lebst nur noch in der Gegenwart. Und vielleicht verstehst du in diesen Momenten auch, weshalb die Inuit in ihrer Sprache keine Zeitformen haben. Es gibt nur die Gegenwartsform. Keine Vergangenheit, keine Zukunft. Die Natur gibt den Takt vor und du als Mensch, hast dich danach zu richten.

Und damit komme ich auch schon zu Grund 3, weshalb nach Grönland reisen für dich vielleicht keine gute Idee sein könnte:

Eine genaue Planung ist für dich wichtig.

graue wolken über dem uummannaqfjord in grönland
Wetter und Eis bestimmen den Tagesablauf, nicht menschliche Interessen

In Grönland hat die Natur das Sagen. Ihr ordnet sich alles unter, auch der Flug- oder Fahrplan. Verspätungen von Flugzeugen sind keine Seltenheit, eher die Regel. Denn das Wetter so hoch im Norden ist unberechenbar. Und tatsächlich ist kaum etwas so immens wichtig, dass es sich dafür lohnt, sein Leben zu riskieren. Als Tourist*in muss du dich damit abfinden. Aus meinen 5 Tagen Ilulissat wurden 2018 aufgrund des Wetters lediglich 3. Mein Flug von Sisimiut nach Ilulissat verschob sich immer weiter. Und das, nachdem ich schon vier volle Tage in Sisimiut verbracht hatte. Grundsätzlich kein Problem, aber nach vier Tagen Sisimiut kannte ich die Stadt nahezu auswendig.:)

heftig aufgewühlte grönlandsee
Reichlich Seegang in der Dänemarkstraße zwischen (Ost-)Grönland und Island

Sorgen Wind und Nebel dafür, dass es auf Flügen zu Verspätungen kommt, spielt das Meer eine ganz eigene Rolle. Auf dem Bild lässt es sich erahnen: Der Seegang spielt bei der Fortbewegung eine wichtige Rolle. Als das Foto entstand, kamen wir kaum vorwärts. Wind und Wellen trugen uns zu unserem Ausgangspunkt zurück. Entsprechend musste der Plan für die Expeditionskreuzfahrt verändert und angepasst werden. Und das kann dir bei Bootsfahrten jeglicher Art auch passieren. Lässt du dich allerdings darauf ein, wirst du einen wunderbaren Urlaub erleben.

Diese entspannte Art in Grönland zu reisen, hielt bei mir aber nicht lange. Als ich 2018 auf dem Rückweg war, brachte mich bereits eine Verspätung der Deutschen Bahn von ca 60 Minuten zur Weißglut. Ich habe mich richtig reingesteigert. Bis eine nette Bahnangestellte mich fragte, woher ich komme. In diesem Moment realisierte ich, worüber ich mich grade aufregte…:) Nach 24h Verspätung bei meinem Flug, sah ich die eine Stunde der Bahn dann schnell wieder sehr gelassen.:)

Du willst schnell von A nach B kommen.

Schnelligkeit ist in Grönland relativ. Das Flugnetz ist zwar extrem gut ausgebaut. Allein das Wetter macht diesen Plan sehr häufig zu nichte. Besser du planst bei deiner Reise diverse Puffer mit ein.

staubige schotterpiste in der grönländischen wildnis an zwei gletscherseen
Grönlands längste Straße: 40km von Kangerlussuaq bis zum Inlandseis

Mal eben in den nächsten Zug oder den nächsten Bus steigen um den Ort zu wechseln funktioniert übrigens auch nicht. Es gibt weder ein Schienen- noch ein überregionales Straßennetz. Von Ortschaft zu Ortschaft kommst du nur mit dem Boot, dem Flugzeug/Hubschrauber oder dem Hundeschlitten. Letzteres aber auch nur in den Wintermonaten.

Trekking-Ausrüstung an einem Strand eines Sees
Die spannendste Art zu in Grönland zu reisen: Mit Rucksack in neun Tagen von Kangerlussuaq nach Sisimiut

Es gibt übrigens eine Möglichkeit vom internationalen Flughafen Kangerlussuaq ohne Flieger oder Boot nach Sisimiut (zweigrößte Stadt Grönlands) zu gelangen. Den Arctic Circle Trail. Ein markierter Wanderweg von ungefähr 170km. Nur für den Fall, dass Punkt 2 auf dich nicht zutrifft.

Ohne Internet im Urlaub zu sein, ist für dich unvorstellbar.

segelschiff rembrandt van rijn zwischen eisbergen in einem fjord in ostgrönland
Der Ausblick ist gigantisch. Liveübertragung an deine Follower allerdings nicht möglich!:)

Gehörst du zu den Leuten, die ihre Followerschaft permanent über ihren Urlaub auf dem Laufenden halten wollen? Dann überlege dir gut nach Grönland zu reisen. Denn außerhalb der Städte und Siedlungen wirst du keinen Empfang haben. Innerhalb von Ortschaften sind die Verbindungen zwar stabil. Die Preise für mobile Daten haben es aber in sich. Bei mir waren 2018 innerhalb von drei Minuten knapp 20€ weg. Für 3 MB. Nach Grönland reisen und live davon berichten? Das geht wohl nur mit einer grönländischen SIM-Karte. Und wirklich günstig sind die Verbindungen auch dann nicht.

buckelwale zum sonnenuntergang zwischen eisbergen
Auf solche Bilder müssen deine Fans bis zur Rückkehr warten.

Und ganz ehrlich: Mal ein paar Tage ohne digitale Verbindung in die Außenwelt unterwegs zu sein, tut echt gut! Ich habe dreieinhalb Wochen ohne soziale Netzwerke richtig genossen. Manchmal habe ich mich sogar dabei erwischt, wie ich mein Handy einfach in der Unterkunft vergaß. Die meiste Zeit lief ich staunend durch die Gegend. Mein Telefon hätte mich dabei nur abgelenkt.

Du bist gern in großen Metropolen unterwegs.

volles hafenbecken in ilulissat
Ilulissat, mit ca 4.700 Bewohner*innen die drittgrößte Stadt Grönlands. Wie in anderen Metropolen auch, herrscht Parkplatzmangel. Hier allerdings auf dem Wasser

Wie schon weiter oben erwähnt, Grönland ist sehr dünn besiedelt. Das spiegelt sich in den Zahlen der Städte wieder. In der Hauptstadt Nuuk leben über 18.000 Menschen. Damit ist sie mit Abstand die größte Stadt. Danach folgt Sisimiut mit ca. 5.500 Einwohner*innen.

Pulsierendes Großstadtleben wirst du vergeblich suchen, entscheidest du dich, nach Grönland zu reisen. Die überschaubare Größe hat aber viele Vorteile. In kürzester Zeit kennst du die wichtigsten Punkte und Geschäfte in der Stadt. Du brauchst Google-Maps nicht zu nutzen und sparst damit gleich einiges an mobilen Daten auf dem Smartphone ein.

uummannaq im sonnenuntergang unter tief hängenden wolken
Die Stadt Uummannaq in ihrer Umgebung, für mich DER Grund nach Grönland zu reisen

Durch die überschaubare Größe bist du schnell in der Natur. Und zwar von jedem Punkt der Stadt. Gerade das habe ich bei meinen Grönlandreisen sehr genossen. Wie schon mehrfach erwähnt: In Grönland ist die Natur der größte Luxus!

Fazit

Na, hast du dich in einigen der Punkte wiederfinden können? Tatsächlich? Okay, dann solltest du dir definitiv gut überlegen, ob Grönland für dich eine Reise wert ist. 🙂

Trifft keiner der Punkte auf dich zu? Du solltest mal nach Grönland reisen!:) Die Anreise ist grundsätzlich ziemlich einfach. Entweder mit AirGreenland über Kopenhagen oder mit IcelandAir in den Osten Grönlands oder nach Ilulissat. In Grönland selbst, fliegt nur AirGreenland. Das macht die Planung ziemlich einfach.

Als Fortbewegungsalternative zum Flugzeug gibt es innerhalb Grönlands noch die reguläre Fähre. Die Arctic Umiaq Line wird auch von Grönländer*innen gern genutzt. Entsprechend solltest du rechtzeitig buchen.

kleines boot vor einem riesigen eisberg im ilulissat eisfjord zum sonnenuntergang
Der Ilulissateisfjord zum Sonnenuntergang

Mein Tipp: Ilulissat ist mit dem weltberühmten Eisfjord DAS Ziel schlechthin in Grönland. Willst du dorthin, fahr mit der Fähre oder einem anderen Schiff. Die Disko-Bucht auf dem Seeweg zu erreichen, wird dich aus den Socken hauen.

Unter Grönlandreise und unter Arctic Circle Trail kannst du dir einen Eindruck verschaffen, wie es ist in Grönland zu reisen. Bist du mit deiner Planung schon weiter, findest du unter Grönlandurlaub – Tipps für deine Packliste.

Willst du noch mehr Bilder sehen? Dann wirf doch einen Blick in meine Grönlandgalerie.:)

Schreib mir auch gern in die Kommentare, wo es für dich hin geht. Oder hast du vielleicht Fragen zu deiner Grönlandreise? Gern kannst du mir auch eine Mail schreiben oder mich auf Facebook oder Instagram kontaktieren.:)

Grönlandurlaub – Tipps für deine Packliste

Es ist also soweit: Du hast deinen Grönlandurlaub gebucht! Ich gratuliere dir, zu diesem Entschluss. 🙂 Und nun überlegst du, was du auf der größten Insel der Welt alles brauchen wirst. Dabei kann ich dir helfen. Ich war selbst dreimal in Grönland und das vierte Mal ist in der Planung. 🙂 Und damit es auch mit guten Bildern klappt, lies dir bei der Gelegenheit doch gleich mal meinen Beitrag zum Thema Fotografieren lernen durch. Du wirst es auf der Reise sicher nicht bereuen.;)

Kleidung

Fjord des Morris-Jesup-Gletschers im Grönlandurlaub
Bei 20°C ging ich mit anderen schwimmen, auf 77,5° nördlicher Breite

Grönland – das klingt erstmal nach Eis, Kälte und hauptsächlich dicken Klamotten. Und damit liegst du auch gar nicht soo falsch. Gerade in den Sommermonaten (Juli/August) kann es in der Arktis aber auch sehr warm werden. Entsprechend wendest du am besten das Zwiebelprinzip an:

  • Unterste Schicht: am besten aus Merinowolle
  • darüber einen Fleece-Pullover und eine Wanderhose
  • ist es windig (und das ist es sehr häufig in einem Grönlandurlaub) kommt darüber ein winddichter Überwurf
  • kommt Regen oder Frost hinzu, zieh eine robuste Regenjacke und -hose drüber.
  • dazu dicke Merino-Socken, Mütze, Handschuhe und Halstuch/Schal

Beherzigst du meinen Tipp mit der Unterwäsche aus Merino-Wolle, sparst du dir, viel Kleidung mitzunehmen. Ich schwitze recht viel, aber die Shirts fingen erst nach vier Tagen Wanderung mit >20kg an zu riechen. Mit meinen alten Kunstfasershirts kann ich schon nach einer Stunde Anstrengung ausgehungerte Eisbären in die Flucht schlagen. 🙂

der blaue see amitsorsuaq im grönlandurlaub auf dem arctic circle trail
Der Schein trügt nicht. 25°C auf dem Arctic Circle Trail. Das Zwiebelprinzip lässt dich auch solche Temperaturen ertragen.

Der Vorteil beim Zwiebelprinzip: Du hast immer die Möglichkeit Sachen abzulegen oder anzuziehen. Je nachdem, wie sich das Wetter gebärdet. Und du wirst ziemlich schnell feststellen, dass dein Grönlandurlaub ganz massiv vom Wetter abhängen wird.:)

Kleidung für den Grönlandurlaub: Wasserdicht oder schnell trocknend

dicke wolken über rauhen bergen und einem gletscher an der küste mit einem blauen eisberg
Das Wetter kann sehr schnell umschlagen

Ebenfalls wichtig: Die Kleidung für deinen Grönlandurlaub sollte entweder Regenfest sein oder schnell trocknen. Hier wirst du mit Sicherheit bei den vielen Herstellern von Outdoor- und Funktionskleidung fündig werden. Letztlich hängt deine Kleidungswahl natürlich auch von der Art der Reise ab. Willst du dich auf eine Trekkingtour begeben: klicke auf Trekking – der Link führt dich zu einer Beschreibung, was du alles mitnehmen und worauf du achten solltest.

Und meine größten Fehler und schlimmsten Pannen habe ich dir dort auch gleich noch aufgeschrieben. Reicht ja, wenn sich einer zum Löffel macht.:)

Mosquitonetz

Gaaaanz wichtig: Verbringst du deinen Grönlandurlaub in den Sommermonaten, nimm unbedingt ein Mosquitonetz mit! Das ist mein voller Ernst! Die Mücken und Moschusochsenfliegen in Grönland sind erbarmungslos. Mich haben sogar Mücken unter dem Hüftgurt meines Trekkingrucksacks gestochen. Und die Moschusochsenfliegen sind in derart großen Schwärmen unterwegs, dass du mit vertreiben nicht hinterher kommst. Du denkst ich übertreibe? 🙂 Guck dir folgendes Bild an…

wanderer isst schokoriegel unter mosquitonetz
Die kleinen Moscusochsenfliegen fliegen in sämtliche Öffnungen im Gesicht. Da hilft nur ein Netz. Auch wenn das die Nahrungsaufnahme etwas verkompliziert…

2016 war ich bei meiner zweiten Grönlandreise ohne Mosquitonetz unterwegs. Beim Warten auf das Boarding auf’s Schiff haben mich die Fliegen wahnsinnig gemacht. Der einzige Rückzugsort in Kulusuk an der Ostküste, war eine alte, völlig ausgekühlte Kirche. Nicht mal Zigarettenrauch hat die Viecher ansatzweise vertrieben. Willst du deinen Grönlandurlaub wirklich genießen, nimm unbedingt ein Mosquitonetz mit.

Anti-Mücken-Mittel

So unverzichtbar für den Grönlandurlaub wie das Mosquitonetz: eine große Flasche Anti-Insekten-Spray. Beste Erfahrungen habe ich mit „No Bite“ gemacht. Nicht günstig aber wirksam. Sei dir versichert, die Mücken werden dir die Stellen zeigen, die du vergessen hast einzusprühen. 🙂

Sonnencreme

arktische Tundra unter bedecktem himmel mit einem see
Bäume wirst du im Grönlandurlaub keine finden. Entsprechend spenden sie bei Sonne auch keinen Schatten.

Klingt für dich im ersten Moment vielleicht verrückt. Ist aber absolut notwendig! Sonnencreme darf in deinem Gepäck für Grönland nicht fehlen. Denn die grönländische Vegetation spendet fast keinen Schatten. Bist du zu Fuß unterwegs holst du dir schneller einen Sonnenbrand als du denkst.

Schuhwerk

gletscherseen an denen rechts eine schotterpiste entlang führt
Rechts im Bild: Grönlands längste Straße: Von Kangerlussuaq zum Inlandseis.

Straßen gibt es in Grönland nur wenige. In kleinen Siedlungen gar keine. Dafür gibt es viele Steine, Matsch und Wiesen. Entsprechend solltest du dein Schuhwerk wählen. Bequeme Wanderschuhe sollten die erste Wahl sein. So bist du für alle Untergründe gerüstet. Vielleicht hast du ja bei der Suche nach Schuhen so viel Glück wie ich: Meine Wanderstiefel sind meine bequemsten Schuhe überhaupt. Ich habe richtig Freude in den Stiefeln zu laufen.

Bist du mit dem Schiff (also auf einer Art Expeditionskreuzfahrt) unterwegs, fällt die Schuhwahl nicht ganz so leicht. Hier bauchst du im Prinzip drei verschiedene Paare:

  • ein Paar leichte Schuhe fürs Schiff
  • ein Paar Wanderstiefel
  • und ein Paar Gummistiefel
steinige küste in nordgrönland im grönlandurlaub 2015
Um an dieser Küste an Land gehen zu können, brauchst du definitiv Gummistiefel!:)

Nummer 1 und 2 klingen für dich sicher logisch. Nummer 3 vermutlich nicht. Gummistiefel brauchst du bei Expeditionskreuzfahrten für die Landgänge. Genauer: Für das Aus- und Einsteigen in die Zodiac-Schlauchboote. Bei Ausflügen in kleine Siedlungen oder die grönländische Natur, wirst du selten Stege finden. Du musst also aus dem Schlauchboot ins Wasser hüpfen. Wanderstiefel sind dafür aber nicht hoch genug. Bis zum Knie können die Wellen an der Landestelle schon reichen. Ohne Gummistiefel unternimmst du den Landgang mit nassen Füßen. Da vergeht dir die Lust am Wandern genauso schnell, wie deine Füße nass wurden. Wenn wir schon bei Gummistiefel sind: Unter Grönlandreise kannst du dir einen Eindruck verschaffen, was dich bei Landgängen so alles erwartet.:)

Geräte/Internet

Das schöne an Grönland: Die Bevölkerungsdichte ist extrem gering. In Nuuk, der Hauptstadt, wohnen ca. 16.000 Menschen. Damit ist die Hauptstadt unangefochten der am dichtesten besiedelte Flecken. Wo so wenige Menschen auf einer riesigen Fläche verteilt leben, ist es mit dem Handynetz auch nicht weit her.

In den Städten ist die Netzabdeckung ganz ordentlich. Aber Vorsicht: Die Preise für mobile Daten sind heftig. 2018 verbrauchte ich innerhalb von 5 Minuten knapp 20€. In Hotels und Unterkünften in Grönland gehört kostenloses WLAN noch nicht zum Standard. Dafür sind die Gebühren für den Internetanschluss für die Einheimischen ebenfalls zu teuer. Bist du längere Zeit in größeren Siedlungen und Städten, solltest du dir überlegen, dir eine dänische SIM-Karte zu kaufen. Falls dir die Verbindung zur Außenwelt wichtig ist.

inmitten der arktischen tundra taucht die stadt sisimiut am horizont auf
Ganz hinten ist Sisimiut bereits zu erkennen. Empfang gibt es hier aber noch nicht.

Begibst du dich ein paar Schritte in die Wildnis, wirst du schnell kein Signal mehr finden. Aber genau das macht für mich den Reiz Grönlands aus. Dort bist du wirklch in der Wildnis. Ständiges Aktualisieren der Instagram-Story ist quasi unmöglich.

Bei der Wanderung auf dem Arctic Circle Trail (ein markierter Wanderweg ca. 170km durch die Wildnis) hatten wir ein Satellitentelefon dabei. Gemietet war das gar nicht sooo teuer. Wenn ich mich recht entsinne irgendwas bei 300€ für zwei Wochen inklusive der getätigten Anrufe. Dies diente der Sicherheit, falls ein dummes Missgeschick passiert. Gebraucht haben wir es aber zum Glück nicht. 2019 wäre es aber definitiv notwendig geworden. Riesige Waldbrände fraßen sich durch die Natur. Einige Wanderer*innen konnten nur noch einen Hubschrauber zu Hilfe rufen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Willst du in deinem Grönlandurlaub lange Strecken wandern, nimm auf jeden Fall ein Satellitentelefon mit.

Kamera

wolken abendrot wolken see mit eisbergen
Grönland ist für Hobbyfotografen ein absolutes Paradies!

Was auf gar keinen Fall in deinem Gepäck fehlen darf, ist eine Kamera. Oder besser: Irgendetwas, womit du Fotos machen kannst. Die Natur in Grönland ist einfach gigantisch. Dazu gesellen sich sagenhafte Eisberge und, je nach Reiseziel, auch die Mitternachtssonne. Davon keine Bilder zu machen, könnte ich zumindest nicht aushalten. 🙂

Eine genaue Kamera werde ich dir hier nicht empfehlen. Denn ich komme super mit Fuji zurecht, du aber vielleicht nicht. Viel wichtiger: Kauf‘ dir die Kamera nicht erst direkt vor deinem Grönlandurlaub. Plane lieber ein halbes Jahr zum Üben und Kennenlernen der Kamera ein. Das hat zwei große Vorteile:

  • 1. Du kannst das Handbuch zuhause lassen/musst es nicht in digitaler Form mitnehmen
  • 2. Alles was du bei der Bedienung falsch machen kannst, wirst du bis dahin schon probiert haben.:)
riesige eisberge in ilulissat im abendrot
Denk‘ an ausreichend Akkus! Sonst entgehen dir vielleicht solche Momente!:)

Denk‘ neben der Kamera auch an ausreichend Speicherkarten und Reserveakkus. Grad die Akkus gehen bei niedrigen Temperaturen sehr schnell in die Knie. Und gerade in der Nacht kann es in Grönland sehr schnell sehr kalt werden. Das verkürzt die Einsatzzeit der Akkus.

Bei zwei meiner Grönlandreisen war ich mit einem Schiff unterwegs. So nahm ich eine wesentlich umfangreichere Fotoausrüstung mit. Bei meinem dritten Grönlandurlaub wanderte ich auf dem Arctic Circle Trail. Alles was ich mitnahm, musste in einen Wanderrucksack passen. Da ich den ganzen Krempel dann auch 170km auf dem Rücken tragen würde, reduzierte ich das Gewicht der Kameraausrüstung besonders stark. Und glaub mir, bei so einer Langstreckenwanderung macht sich jedes einzelne Gramm bemerkbar.

Fototipp

leuchtender abendhimmel in der arktis mit einem einzelnen eisberg am horizont
Die Mitternachtssone zaubert einzigartige Stimmungen herbei!

Wenn möglich, versuche eine Bootsfahrt durch das Eis zur Mitternachtssonne mitzunehmen. Die Eindrücke und Bilder werden dir noch Jahre später Tränen der Rührung in die Augen treiben!

Stativ

Ein Stativ hatte ich bisher noch nie dabei. Böse Zungen könnten jetzt behaupten: „Das sieht man auch an den Bildern.“ Da ich mir erst in diesem Jahr ein kleines und sehr leichtes Stativ kaufte, war ich in Grönland bisher ohne unterwegs. Und ja, meine Bilder wären mit Stativ sicher besser geworden. Daher meine Empfehlung für deinen Grönlandurlaub: Nimm auf jedenfall eins mit! Polarlichter kannst du nur mit Stativ wirklich fotografieren. Meine Versuche in Island ohne Stativ waren ziemlicher Murks. Bist du allerdings auch mit Rucksack unterwegs, wird wohl das Stativ als erstes von der Packliste fliegen. Aber auch dann sind gute Fotos möglich, versprochen.:)

Denn obwohl ich mittlerweile ein kleines und sehr leichtes Stativ habe, flog es zur Norwegen-Wandertour wieder aus dem Rucksack. Ich musste Prioritäten setzen…

Reiseführer für den Grönlandurlaub

Wenn du dich ein wenig auf deinen Grönlandurlaub vorbereiten möchtest, wirst du keine Probleme bei der Wahl des Reiseführers bekommen. Es gibt im Prinzip nur einen. Anders sieht es bei Reisebeschreibungen aus. Hier gibt es einige wirklich großartige Bücher. Ganz vorn liegt für mich Birgit Lutz. Sie hat das Inlandseis in Grönland durchquert und bei den Inuit an der Ostküste gelebt. Großartig zu lesen ist auch das Reisetagebuch von Stephan Orth. Interessieren dich historische Berichte? Dann seien dir die Berichte von Knud Rasmussen und Fritjof Nansen empfohlen. Beide waren Pioniere in der Polarforschung und sind gleichzeitig herausragende Autoren!:)

Ansonsten wirst du viel Lesestoff im Netz finden. Ganz so der geheime Geheimtipp ist Grönland mittlerweile auch nicht mehr. Unter Grönlandreise kannst du direkt nachlesen, was mir 2015 bei der Reise meines Lebens widerfuhr.:)

Medikamente

grönländische siedlung am hang eines großen berges
Die grönländischen Siedlungen sind häufig nicht sehr groß, bedenke das bei deiner Reiseplanung besonders hinsichtlich deriner Medikamente

Oben siehst du eine typische grönländische Siedlung. In deinem Grönlandurlaub wirst du feststellen, dass viele Ortschaften nicht viel größer sind. In den meisten gibt es zwar einen kleinen Supermarkt. Aber alles, was an Medikamenten über Aspirin und Ibuprofen hinaus geht, wird sehr schwierig. Und wenn du diese Medikamente in einer der Ortschaften findest und kaufst, haben die Bewohner*innen keinen Zugriff mehr darauf. Nachschub kommt in den kleineren Ortschaften nur sehr sporadisch an. Lebenswichtige Dinge werden in Grönland per Hubschrauber eingeflogen, weniger wichtige Sachen mit dem Schiff geliefert.

Nimm also lieber ausreichende Vorräte mit. So gerätst du nicht in unangenehme Situationen.

Verpflegung

Hast du nicht grade eine (Expeditions-)Kreuzfahrt für deinen Grönlandurlaub gebucht, wirst du dich logischerweise verpflegen müssen. Grönlands Versorgung mit Gütern aller Art erfolgt über den See- und den Luftweg. Daher kann es passieren, dass du spezielle Lebensmittel in deinem Grönlandurlaub nicht findest. Möchtest du also spezielle Sachen essen, nimm sie lieber mit. Achte dabei aber auf die Einfuhrbestimmungen Dänemarks.

grönländische siedlung auf felsigem untergrund an der küste
Die Siedlung Ittoqqortoormiit am Eingang zum Scoresby Sund in Ostgrönland wird nur zweimal im Jahr mit Nachschub beliefert.

Ebenfalls wichtig: In den abgelegenen Siedlungen im Norden Grönlands und auch im Osten der Insel, kommen nur selten Versorgungsschiffe an. Dementsprechend solltest du mit Bedacht einkaufen. Das gilt besonders, wenn du mit einem großen Schiff unterwegs bist. Denn sind die Gummibären von Tourist*innen aufgekauft, schauen die Grönlander*innen in die Röhre.

Bedenke, dass die Preise für alltägliche Waren wegen des Transports teuer sind. In den größeren Städten wie Ilulissat und Sisimiut findest du Restaurants und Imbissbuden. Die Preise sind aber auch hier saftig, selbst für skandinavische Verhältnisse. Plane also lieber mehr Geld für die Reise an sich ein.

Geld

ankerndes segelschiff vor einer grönländischen siedlung
Selbst im Supermarkt in Niaqornat (35 Einwohner*innen) war 2015 schon Kartenzahlung möglich

Skandinavien ist Deutschland im elektronischen Bezahlen weit voraus. Ob du das persönlich gut findest oder nicht. Im Grönlandurlaub empfehle ich dir aber Bargeld dabei zu haben. Zumindest 2018 hatte ich mit meiner EC-/Kreditkarte doch das ein oder andere Problem.

Bargeld ist gerade in kleineren Ortschaften und Siedlungen eine gute Idee. Denn so kannst du auch einfach Einheimische engagieren bspw. für eine kleine Ausflugsfahrt oder ähnliches.

2015 kam ich erst sehr spät auf die Idee, Bargeld nach Grönland mitzunehmen. Da Banken nur selten über Bestände Dänischer Kronen verfügen, kam das Geld grade so noch rechtzeitig. Mit einem kostenpflichtigen Overnightexpress.

Zusammenfassung

Lass mich kurz zusammenfassen, was du in deinem Grönlandurlaub unbedingt dabei haben solltest. Die Liste ist mit Sicherheit nicht vollständig. Ich habe mich auf Sachen beschränkt, die speziell in einem Grönlandurlaub wichtig sind.:)

  • Kleidung:
    • Merinounterwäsche
    • Fleecepulli/-jacke
    • robuste Wanderhose
    • winddichte Oberschicht
    • Regenhose und -jacke
    • Mütze
    • Schal
    • Handschuhe
  • Mosquitonetz (!!!)
  • Wanderstiefel
    • bei Schiffsreisen Gummistiefel und leichte Schuhe für das Schiff
  • Anti-Mücken-Mittel
  • Sonnencreme (!)
  • Medikamente
    • Alltägliche Arznei wie Kopfschmerztabletten etc.
    • wichtige und persönliche Medikamente als Vorrat für den gesamten Grönlandurlaub
  • spezielle Lebensmittel je nach Bedarf
  • Kamera
    • Ersatzakkus
    • Speicherkarten
    • Stativ
  • bei ungeführten Mehrtageswanderungen: Satellitentelefon
  • Bargeld (dänische Kronen), Kreditkarte, EC-Karte
  • Reiseführer, Wanderkarten

Wohin führt dich dein Grönlandurlaub auf der Insel? Hast du selbst gebucht oder bist du mit einem Unternehmen unterwegs? Bereitet dir etwas Sorgen? Dann lass es mich in den Kommentaren wissen. Ansonsten wünsche ich dir ganz viel Spaß an der Vorfreude!:)

Du bist dir noch gar nicht sicher, ob ein Grönlandurlaub überhaupt das richtige Ziel für dich ist? Ich arbeite aktuell noch an einem Blogartikel zu genau diesem Thema. Trag‘ dich in meinen Newsletter ein, dann erfährst du direkt, wenn der Artikel online geht.:)

Trekking – Tipps und Hilfen für deine Abenteuertour

Trekking-Zelt vor einem See
Die pure Trekking-Romantik. Einer meiner Zeltplätze auf dem Arctic Circle Trail in Grönland

Trekkingtouren sind der Inbegriff des Abenteuers. Beim Trekking bewegst du dich unabhängig in der Natur. Findest du einen passenden Flecken, baust du dort dein Zelt auf und genießt das Draußen sein. Alltägliche Fragen treten in den Hintergrund. Wichtig ist nur noch die Gegenwart. Das (Über-)Lebensnotwendige befindet sich in deinem Rucksack. Und es ist erstaunlich, wie wenige Gegenstände du brauchst um glücklich zu sein. Achtsamkeit und Wandern haben für mich viel gemeinsam. Klicke auf den Link, um zu erfahren wieso. 🙂

Um es direkt vorweg zu nehmen: Trekking bedeutet für mich, mit Rucksack und Zelt in der Natur unterwegs und auf keine Unterstützung von außen angewiesen zu sein. 🙂 Eine richtige Abenteuertour also.

Was braucht es aber, damit eine Trekkingtour gelingt? Dass das Gefühl von Freiheit nicht dem Frust weicht? Welche Ausrüstungsgegenstände sind (über-)lebenswichtig, welche überflüssig? Worauf solltest du bei deiner Planung achten? Wie viele Kilometer sind realistisch am Tag zu wandern? Was isst du unterwegs? Welche Kleidung solltest du tragen? Wo lauern typische (und vermeidbare) Fehler beim Trekking?

Auf all diese Fragen will ich dir eine Antworten liefern. 🙂 Und dazu gibt es noch Tipps und Hilfen, die vielleicht auch erfahrenen Trekking-Cracks weiterhelfen können. Seit meinen ersten Schritten 2017 in Island auf dem Laugavegur hat mich das Wanderfieber gepackt. In den anschließenden Trekking-Touren auf dem Arctic Circle Trail und im Sarek Nationalpark sammelte ich Erfahrungen, die ich an dich weiter geben möchte. So bleiben dir vielleicht einige meiner Missgeschicke erspart.:) Interessierst du dich eher für eine Packliste für einen Grönlandurlaub? Dann folge dem Link.:)

Die persönliche Motivation zum Trekking

Stoffkänguru auf Trekking-Tour vor einem See in der arktischen tundra
Bei aller Anstrengung darf der Humor nicht verloren gehen, daher das Känguru im Bild 🙂

Die persönliche Motivation für’s Trekking ist der Grundstein für jede Tour. Überlege dir genau, aus welchem Grund du in dieser Form wandern möchtest. Ich habe dir mal eine kleine Liste erstellt, aus welchen Gründen Leute auf Trekking-Tour gehen. Diese erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • einfach raus
  • möglichst viele Kilometer laufen
  • unbekannte Wege entdecken
  • persönliche Grenzen testen
  • schneller als andere wandern
  • fit werden
  • abnehmen
  • den Kopf frei bekommen
  • Abstand von der Zivilisation gewinnen
  • mal etwas Verrücktes machen
  • in unmittelbaren Kontakt mit der Natur kommen
  • unabhängig von Planungen sein
  • Bilder von nahezu unbekannten Orten machen

Wie du siehst, es gibt vielfältige Gründe für eine Trekkingtour. Und alle haben ihre Berechtigung. Eine Trekkingtour zu Fuß bringt ein gemäßigtes Tempo mit sich. Du wirst also nur langsam voran kommen. Dafür kannst du die Umgebung in vollen Zügen zu genießen. Mir gefällt diese Ruhe. Auch wenn ich den Begriff nicht mag, Trekking ist eine entschleunigte Art des Reisens. Ganz gleich, in welcher Geschwindigkeit du dich fortbewegst. 🙂 Soll ja Leute geben, die ihre Trekkingtouren als Wettbewerb verstehen. Das wäre mir aber zu anstrengend.

Lektüreempfehlung: Birgit Lutz

In einem Buch von Birgit Lutz las ich einen Satz, den ich gern an dich weitergeben möchte: „Nimm dir ein paar gute Gedanken mit.“ Du wirst auf so einer Trekking-Tour sehr viel Zeit zum Nachdenken haben. Dann ist es hilfreich, nicht ständig an unangenehme Sachen zu denken.:)

Birgit Lutz ist übrigens eine spannende Persönlichkeit. Sie war bereits auf Skiern am Nordpol und hat zu Fuß das Inlandseis in Grönland durchquert. Außerdem ist sie ein großer Fan der polaren Regionen. Ein Besuch ihrer Website lohnt sich!

Bist du bereit, dich auf diese langsame Form des Vorankommens einzulassen? Bist du geduldig genug, von einem Geröllfeld ins nächste zu stolpern? Drei Tage durch Wald zu wandern, findest du nicht langweilig sondern richtig spannend? Schlafen im Zelt schreckt dich nicht ab, sondern klingt nach Abenteuer?

Kannst du diese Fragen mit „Ja“ beantworten, solltest du anfangen deine Trekking-Tour zu planen.:)

Oder hast du schon Trekking-Erfahrung gesammelt? Dann lass mich wissen, wie du dazu kamst. Und natürlich auch, wo du schon warst.:) Ich freue mich über Kommentare oder eine Mail.

Anfängertipp: Such dir einen Trekking-Partner

Oleg und Konrad sitzen am Tisch in Thorsmörk und stoßen auf die Wanderung an
Ein kleiner Umtrunk auf die erfolgreiche Trekkingtour macht zu zweit einfach mehr Spaß

Stehst du noch am Anfang deiner Trekking-Karriere, solltest du dir eine zweite Person suchen. So könnt ihr euch gegenseitig in schwierigen Momenten unterstützen. In psychisch herausfordernden Situationen, kann es Wunder wirken jemanden Bekanntes dabei zu haben. Außer in Grönland hatte ich solche Momente auf jeder Tour. Da war es sehr hilfreich, dass Oleg mich durch bloße Anwesenheit angetrieben hat. Und umgekehrt war es wohl genauso.:)

Wichtig bei der Partnerwahl: Ihr solltet die gleiche Einstellung zum Trekking haben. Wenn die eine Person möglichst viele Kilometer in kürzester Zeit laufen will, die andere Person ein ausdauernder Fotograf ist, sind die Konflikte vorprogrammiert.

Und auch das Fitnesslevel sollte sich ähneln. Es macht niemandem Freude, einer Person über Tage hinterher zu hecheln. Und es macht auch niemandem Freude, jeden Tag aufs Neue ausgebremst zu werden.

Alles nicht ganz einfach. Ich hatte da ziemliches Glück. Seit unserer ersten Trekkingtour gab es zwischen Oleg und mir zwar Meinungsverschiedenheiten. Ein Streit oder eskalierende Konflikte gab es nie. Ich drück‘ dir die Daumen, dass du ebenfalls so eine Person findest oder vielleicht schon gefunden hast.:)

Das Ziel

blick über die hütte und den zeltplatz in hrafntinnusker auf dem Laugavegur
Mein erstes Mal Trekking: der Laugavegur auf Island

Du bist also der festen Überzeugung: Trekking ist genau dein Ding. Sehr schön. Dann folgt jetzt die Wahl des Ziels. Davon hängt die Zusammenstellung der Ausrüstung ab.

Empfehlung: Skandinavien

Unter Trekking-Anhängern sehr beliebt ist Skandinavien. Das hat einige gute Gründe:

  • große Flächenländer, dünne Besiedlung
  • großzügige Nationalparks, unberührte Natur
  • das „Allemannsretten“, „Jedermannsrecht“ (gilt leider nicht in Dänemark)
  • feinstes Trinkwasser
  • angenehme Wandertemperaturen auch im Sommer
  • Touristeninfrastruktur ist auf Trekking ausgelegt

Wie du siehst, sehr überzeugende Argumente. Die dünne Besiedlung der skandinavischen Staaten ermöglicht es dir, tagelang durch die Natur zu laufen und keinem Menschen zu begegnen. Wenn du das denn möchtest. Es gibt aber auch Trekking-Klassiker wie den Kungsleden in Schweden, auf dem du viele Menschen triffst. Je nach dem, wonach dir ist, findest du im Norden sicher auch für dich die passende Tour.

Die weiträumigen Nationalparks schützen die Natur vor Eingriffen. Dort ist die Wildnis noch wild.

Das „Allemannsretten“ gestattet dir, dein Zelt an einer beliebigen Stelle aufzubauen. Vorausgesetzt, es ist kein Privatgrundstück.

Fluss fließt durch Trekkinggebiet Sarek Nationalpark
Der Fluss Rapaädno im Sarek Nationalpark in Schweden. Köstliches Trinkwasser direkt am Zelt.

Die Trinkwasserversorgung ist im Norden denkbar einfach. Flasche in ein fließendes Gewässer halten, fertig. Ein großer Vorteil, denn Wasser wiegt.

Auch wichtig: Mit 15-25kg auf dem Rücken und 30°C vergeht jeglicher Trekkingspaß. Ich halte 10-15°C für die absolute Obergrenze. Diese Temperaturen werden im nördlichen Europa nur eher selten überschritten.

Die Infrastruktur in Skandinavien ist sehr stark auf Trekking ausgelegt. Herbergen oder Hotels findest du dort eher selten. Auf dem Trekking-Klassikern wie dem Kungsleden gibt es zwar viele Hütten. Diese verfügen aber zum Großteil weder über fließendes Wasser noch über Strom.

arktische tundra in grönland mit blick auf einen see
Arktische Tundra, schroffe Gipfel und klare Seen, Trekking in Skandinavien ist ein Traum. Das Bild zeigt einen Ausschnitt des Arctic Circle Trail in Grönland.

Wie du siehst, Skandinavien ist prädestiniert fürs Trekking. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich selbst unglaublich gern dort wandere.

Dein Ziel steht fest? Dann ist der nächste Schritt, die richtige Ausrüstung zu finden.

Tipp für Anfänger-Trekkingtour: Laugavegur, Island

Blick über den Trekkingpfad Laugavegur in Island
Trekking durch diese Landschaft? Auf dem Laugavegur kein Problem

2017 startete ich mein erstes Trekkingabenteuer. Das Ziel war der Laugavegur auf Island. Rückblickend kann ich diese Tour absolut empfehlen. Die Distanz ist mit 52 Kilometer überschaubar. Der Weg führt von Hütte zu Hütte, so dass du als Einsteiger nicht direkt in der völligen Wildnis landest. Der Weg erfreut sich großer Beliebtheit. So bist du auch nicht allein, wenn etwas schief geht. Obwohl der Weg „nur“ 52 Kilometer lang ist, verfügt er über alle Herausforderungen, die das Trekking aus machen. Es gibt Berge, Geröll- und Schneefelder, Flüsse müssen gefurtet werden und das Wetter wechselt manchmal überraschend schnell. Selbst wenn du keinen Rucksack auf dem Rücken tragen kannst/willst/möchtest/darfst, kannst du den Weg wandern. Es gibt Unternehmen, die Trekking mit Gepäckservice anbieten. So läufst du nur leicht beladen, während der Rucksack gefahren wird.

Aber Vorsicht: Die Wetterumschwünge soweit im Norden können extrem sein. Auch mitten im Sommer kann besonders in den höheren Lagen ein (Schnee-)Sturm losbrechen. Wenn du keinerlei Erfahrung mit den Besonderheiten der arktischen Breitengrade hast, empfehle ich dir definitiv eine Tour mit Guide.:)

Willst du genauer wissen, was mir auf meiner ersten Wanderung widerfuhr? Klicke auf Laugavegur.

Trekking-Ausrüstung

Trekking-Ausrüstung an einem Strand eines Sees
Alles, was es braucht um glücklich zu sein: Rucksack, Wanderstiefel, Kaffeetasse, Känguru.

Die Ausrüstung gehört zu den viel diskutierten Themen unter Wanderern. Die Vielzahl an Outdoor-Läden und deren breites Sortiment lassen keine Wünsche offen. Viel mehr erschlägt dich die Palette vielleicht sogar. Für’s Trekking gibt es einen Grundstock an Gegenständen, die du dabei haben musst/solltest. Unabhängig, wohin deine Trekkingtour gehen soll. (Erwähnte ich schon, dass Skandinavien wunderschön ist?(:) Da ich dich nicht mit Materialtests und Vergleichen langweilen will, erkläre ich nur kurz, was bei einzelnen Gegenständen zu beachten ist. Willst du weitere Informationen zu den einzelnen Gegenständen, sieh dich mal auf Alex Website bergreif.de um. Falls dich das Thema Trekkingausrüstung überhaupt nicht interessiert, klicke auf Kleidung, Verpflegung oder Planung um direkt zu den nächsten Kapiteln zu kommen.:)

Hier ein Überblick:

  • Zelt
  • Schlafsack
  • Isomatte
  • Rucksack
  • Erste-Hilfe-Set
  • Kocher
  • Kochgeschirr
  • Wasserflaschen
  • wasserdichte Packsäcke
  • (Wanderstöcke)

Zelt

Trekking-Zelt im Sarek Nationalpark
Das Trekking-Heim vor imposanter Kulisse im Sarek Nationalpark

Die Auswahl an Herstellern und Modellen ist riesig. Die Preisspanne reicht von 20€ bis grenzenlos. Teurer geht immer. Die Auswahl richtet sich nach deinen Zielen. Entscheidest du dich fürs Trekking in warmen und milden Gefilden, sind die Anforderungen an das Zelt nicht sonderlich hoch. Willst du aber in den hohen Norden (warum sich das lohnt hatte ich bereits erwähnt…), sollte das Zelt windstabil und regenfest sein. Das schraubt allerdings Preis und Gewicht in die Höhe. Wichtig, egal was für ein Zelt: Es sollte gut zu lüften sein. Sonst bildet sich beim Schlafen Kondenswasser. Das kann am Morgen sehr unangenehm werden.

Mir war ausreichend Platz wichtiger als geringstes Gewicht. Ich nutze seit Beginn ein 3-Personen-Tunnelzelt. 3000mm Wassersäule auf der Plane und 10.000mm auf dem Zeltboden. Das hat für Island, Grönland und Schweden bisher völlig ausgereicht. Und da waren einige Regengüsse dabei. Es bietet ausreichend Platz für zwei Menschen inklusive Rucksäcke. Ohne dass man sich fühlt, wie ein Hering.

So ein großes Zelt ergibt natürlich nur Sinn, wenn du nicht allein unterwegs bist. Andernfalls ist das Käse. Für Einzelpersonen gibt es bessere Lösungen. Lass dich am besten in einem Outdoor-Laden deiner Wahl beraten. Und bau es direkt im Laden mal auf! Das hat mir die Entscheidung enorm erleichtert.

zelt in Landmannalaugar mit steinen als sturmschutz
NIEMALS nachmachen…:) Der erste Zeltaufbau in Landmannalaugar

Zusatztipp: Nimm beim Zeltkauf gleich noch ein paar Extra-Heringe mit. Je nach Untergrund segnen die schnell das Zeitliche. Und noch was: Selbst wenn der Boden hart ist, solltest du dein Zelt NIE so aufbauen, wie ich es im Bild tat. Scharfkantiges Lavagestein auf eine dünne Zeltplane. Da reicht ein kleiner Windstoß und das Stück Stoff ist im Eimer. Genau wie die Trekking-Tour.:)

Schlafsack

Auch der Schlafsack richtet sich nach dem Trekkingziel. Willst du ans Mittelmeer brauchst du keine Komforttemperatur von -5°C. Willst du in den Norden ist 0°C notwendig.

Bei Schlafsäcken gibt es zwei grundlegende Ausführungen: Daunen- und Kunstfasersäcke. Kurz zusammengefasst: Daunenschlafsäcke sind kleiner, leichter. wärmer. Dafür aber wesentlich empfindlicher bei Nässe. Kunstfaser ist dafür robuster und hat weniger Probleme mit Wasser.

Ich nutze seit ein paar Jahren einen Daunenschlafsack. Größe, Gewicht und Wärmeleistung waren mir im hohen Norden wichtiger. Während des Wanderns landet der Schlafsack in einem wasserdichten Beutel. Klappte bisher wunderbar. Selbst im strömenden, schwedischen Regen. Ist das Zelt gut gelüftet, gibt’s auch keine Probleme mit Kondenswasser.

Wichtig bei der Lagerung: Der Schlafsack sollte nicht dauerhaft im Kompressionssack gelagert werden. Das kann dazu führen, dass die Füllung verklumpt. Die großen und empfehlenswerten Hersteller liefern zum Sack gleich noch einen luftigen Beutel dazu. Dort kommt der Schlafsack nach der Trekking-Tour rein und dann auf den Schrank.

Isomatte

Die Isomatte hat zwei Aufgaben: Warm halten und für Schlafkomfort sorgen. Punkt 1 lässt sich am R-Wert ablesen. Je höher die Zahl, desto besser. Punkt 2 musst du ausprobieren. Was für meinen Rücken bequem ist, kann für dich eine Katastrophe sein. Auch hier habe ich mich bewusst für ein wenig Luxus und gegen Gewichtsoptimierung entschieden. Ich liebe meine aufblasbare Isomatte.:)

Ähnlich wie beim Schlafsack solltest du die Isomatte nicht im zusammengerollten Zustand aufbewahren. Jedenfalls nicht die aufblasbaren. Ich lasse meine Matte nach der Trekking-Tour über Nacht ausgrollt mit aufgedrehtem Ventil liegen. Im Anschluss kommt sie so hinter die Couch, bis ich sie wieder brauche.

Rucksack

Der Rucksack ist ein Ausrüstungsgegenstand, der beim Trekking nicht von der Wahl des Reiseziels abhängt. Deine Wahl des Rucksacks hängt davon ab, wie lange du unterwegs sein willst. Je länger, desto mehr Kram muss mit. Wichtig bei der Auswahl des Rucksacks: Er muss sich vielfältig einstellen lassen. Obligatorisch ist ein Beckengurt. So verteilt sich das Gewicht des Rucksacks von den Schultern auf den gesamten Rücken und die Hüfte. Auch hier will ich dir empfehlen, ein Outdoorgeschäft deiner Wahl aufzusuchen. So kannst du die verschiedenen Modelle Probe tragen.

Ebenfalls sinnvoll ist die Unterteilung des Rucksacks mit einem Hauptfach und einem kleineren Fach im unteren Bereich. Warum erkläre ich dir beim Packen des Rucksacks.:) Ebenfalls sinnvoll sind Außentaschen für Wasserflaschen, ein Deckelfach für Wegzehrung und Regenklamotten.

Ein Regenschutz ist mittlerweile bei fast allen Rucksäcken dabei. Leider haben die mitgelieferten Hauben zwei entscheidende Nachteile:

  1. Sie sind sehr knapp bemessen. Hängt außen am Rucksack beispielsweise die Isomatte dran, passt die Haube nicht mehr.
  2. Sie schützen nicht den Rucksackboden. Besonders, wenn du an den ersten Punkt denkst.

Meine Empfehlung: Kaufe einen größeren Regenschutz zum Rucksack dazu, der auch den Boden schützt. Dann kannst du sorgenfrei den Rucksack auch bei Regen auf den Boden stellen.

Weitaus bessere Empfehlung: Der Regenschutz verhindert nicht, dass Wasser auf der Trägerseite eindringt. Verdient die Regenjacke ihren Namen, wird dir das passieren. Dagegen helfen wasserdichte Packsäcke für die wichtigen Sachen. Zipperbeutel schützen Sachen wie Essen, Hygieneartikel und ähnliches. Völlig sinnlos ist der Regenschutz aber nicht. Denn immerhin verhindert er, dass sich der Stoff des Rucksacks mit Wasser vollsaugt und so für zusätzliches Gewicht sorgt.

Und auch hier gilt: Erschrick nicht vor den Preisen. Ein guter Rucksack kostet. Bedenke, dass du in diesem Stück Stoff alles mit dir herum trägst, was du zum Leben und Überleben brauchst.

Erste-Hilfe-Set und Medikamente

Ein Gegenstand, den du dabei haben musst. Auch wenn du ihn hoffentlich nie brauchst. Dazu gehören Mullbinden, Verbandpäckchen, Kompressen, Pflaster und eine Schere. Und natürlich etwaige persönliche Notfallmedikamente. Ich verstaue die Sachen in einem kleinen Packsack in greller orangener Farbe. So weiß im Falle eines Falls auch mein Wanderkumpel, wo er das Verbandzeug und die Medis findet.

Der Inhalt sieht wie folgt aus:

  • 3 Verbandpäckchen
  • 2 Mullbinden
  • 2 sterile Kompressen
  • 2m Pflaster
  • 1 Dreieckstuch
  • 1 Schere

Als Allergiker habe ich zusätzlich noch einen Vorrat an Allergietabletten, Asthma-Spray und Augentropfen im Erste-Hilfe-Set. Dabei achte ich auch nicht auf das Gewicht. Hier gilt ganz klar die Devise: Haben ist besser als brauchen!

Kocher

Ich verwende einen handelsüblichen Gaskocher für Kartuschen mit Schraubanschluss. Gas hat zwar den Nachteil, dass es nicht im Flugzeug transportiert werden darf. Aber bisher fand ich die passenden Kartuschen selbst in Grönland.

Wichtig bei den Schraubkartuschen: Es gibt von einem französischen Hersteller blaue Kartuschen, die denen mit Schraubanschluss extrem ähnlich sehen. Die französischen Exemplare haben allerdings kein Gewinde! Entsprechend bekommst du sie auch nicht zum laufen. Ich musste das in Grönland auf die harte Tour lernen. Da stand ich nämlich mit den falschen Kartuschen da.

Auch wichtig: Vor der Trekking-Tour den Kocher ausprobieren. Im Sarek trafen wir zwei Leute, deren Kocher nicht funktionierte. Sie konnten am Abend bei uns kochen, mussten am nächsten Tag aber umdrehen. Sehr ärgerlich für die beiden.

Kochgeschirr

Beim Kochgeschirr gibt es jede Menge Auswahl. Auf meinen Trekking-Touren verwende ich aber ganz einfach einen kleinen 1l-Topf mit Deckel. Das reicht für zwei Personen, denn wir kochen nur Wasser auf. Der Deckel ist wichtig, da das Wasser so schneller kocht und du Gas einsparen kannst. Mindestens genauso wichtig ist ein Hitzeschild aus Aluminium. Den gibt es für sehr kleines Geld aus Alu oder du bastelst ihn dir einfach selbst aus Alufolie. Der Hitzeschild wird um den Kocher herumgestellt, so dass der Wind der Flamme nichts anhaben kann. Gleichzeitig geht so auch weniger Wärme flöten.

Wasserflaschen

Behältnisse für Wasser gibt es so einige. Als sehr praktische Lösung haben sich für mich stabile Flaschen aus Kunststoff mit breiter Öffnung bewehrt. Anfangs war ich noch mit handelsüblichen PET-Flaschen unterwegs. Die haben den Vorteil sehr leicht zu sein. Allerdings lassen sich Flaschen mit kleiner Öffnung nur umständlich befüllen, besonders wenn es keinen Wasserhahn auf der Trekkingtour gibt. Der zweite große Nachteil: Die PET-Flaschen sind nicht sonderlich robust.

Wasserdichte Packsäcke

Wasserdichte Packsäcke gehören für mich zu den wichtigsten Utensilien überhaupt. Denn sie haben nicht nur den Vorteil, dass sie absolut wasserdicht sind. Mit ihnen lässt sich der Inhalt des Rucksacks auch ziemlich gut sortieren. Wenn du schon beim Kauf darauf achtest, dass die Säcke unterschiedliche Farben haben, erleichterst du dir das Finden von Sachen und Gegenständen. Du bekommst sie in den unterschiedlichsten Farben und Größen.

Meine Aufteilung sieht wie folgt aus:

  • 1l orange für Erste-Hilfe, Medikamente und wichtige Reiseunterlagen
  • 2l rot für Ersatzakkus, Ladegerät, Powerbank, Stirnlampe und Batterien
  • 7l l blau für die Isomatte und Schmutzwäsche
  • 10l grün für Schlafsack und Merino-Inlet
  • 20l schwarz als Rucksack nutzbar für Klamotten

Besonders bei Trekkingtouren in regenreichen Gebieten empfiehlt es sich, empfindliche Sachen extra wasserdicht zu verpacken. Selbst bei der Tour durch den Sarek blieb im Dauerregen und beim Krabbeln durchs Unterholz alles in den Säcken trocken. Obwohl der Rucksack von innen ziemlich nass war.

(Wanderstöcke)

Warum habe ich nun Wanderstöcke in Klammern gesetzt? Wanderstöcke werden in der Trekking-Szene lebhaft diskutiert. Einige halten Wanderstöcke für nutzlos bis schädlich. Ihrer Meinung nach entwickelt sich dein Gleichgewichtssinn zurück, wenn du zu viel mit Stöcken läufst. Ich bin seit Beginn mit Stöcken unterwegs. Einen Abbau meines Gleichgewichtssinns konnte ich bisher nicht feststellen.

Für mich Überwiegen die Vorteile der Stöcke. Bei langen Wegstrecken bergab, entlastet der Einsatz der Stöcke Knie und Rücken. Bei Passagen bergauf kannst du dich wesentlich einfacher und schneller hoch wuchten. Mich haben die Stöcke nur genervt, wenn die Vegetation auf dem Weg sehr dicht war. Besonders Kriechweiden klammern sich mit Vorliebe an den Stöcken fest. Das nervt wirklich massiv. Bei solchen Wegstücken packe ich die Stöcke dann gern weg.

Auch wenn dir auf deiner Trekking-Tour diverse Flussdurchquerungen bevorstehen, sind die Stöcke wichtig. Je nach Strömung hat es mir teilweise sehr geholfen, nicht den Halt zu verlieren.

Wenn du solche Stöcke für deine Trekking-Tour anschaffen willst, achte darauf, dass sie in der Höhe verstellbar sind. Die Höhe ist dann optimal, wenn deine Arme am Ellbogen ungefähr einen rechten Winkel bilden und die Stöcke auf dem Boden stehen. Bergauf stelle ich die Stöcke eher kürzer als normal ein, bergab eher länger. So kannst du dein Gewicht optimal auf die Stöcke verteilen und Gelenke und Rücken schonen. 🙂

Wichtig ist auch, dass die Stöcke auf ein kleines Packmaß zu bringen sind. Sonst bekommst du sie nur schlecht in den Rucksack, wenn du mit dem Flieger anreist.

Kleidung

Grundlegendes

Neben der grundsätzlichen Ausrüstung spielt die Kleidung bei der Vorbereitung deiner Trekking-Tour ebenfalls eine wichtige Rolle. Logischerweise hängt auch die Kleidung von deinem Ziel ab. Aber darauf bist du bestimmt auch schon von allein gekommen.:)

Wie bereits mehrfach erwähnt, bin ich beim Trekking im hohen Norden unterwegs. Entsprechend brauche ich etwas mehr Kleidung. Bewehrt hat sich das Zwiebelprinzip: Eine Kombination aus verschiedenen Kleidungsschichten.

Grundsätzlich gilt für mich bei Bekleidung eine eiserne Regel: Entweder wasserdicht oder schnell trocknend. Am besten beides.:) Denn wenn du beim Trekking nass wirst, bekommst du Schwierigkeiten deine Sachen zu trocknen. Dann ist es angenehm, wenn die Klamotten für’s Trocknen keine Stunde brauchen. Das gilt besonders für die Unterbekleidung. Bei der Oberbekleidung solltest du darauf achten, dass sie ausreichend gegen Wasser schützt. Denn durchgeweicht durch nasskaltes Wetter latschen, sorgt nun wirklich nicht für gute Stimmung.

Sei dir aber über Folgendes im Klaren: Auch die beste Kleidung hat ihre Grenzen. Im Sarek kroch ich 12km bei strömendem Regen durch dichtes Unterholz. Da gaben sowohl Regenjacke als auch -hose auf. Hier lohnt ein zweiter Satz trockener Unterbekleidung.

Wohlfühltipp: Sauberer Klamottensatz

Bei meiner ersten Trekking-Tour 2017 schloß ich einen Satz Kleidung (T-Shirt, Pulli, Unterhose, Socken) in Reykjavik in einem Schließfach ein. Auf den anderen drei Touren verstaute ich Shirt, leichte Fleecejacke, Unterhose und Socken in einem Zipperbeutel. Das wohlige Gefühl nach der ersten Dusche am Ende der Trekking-Tour in frische Kleidung zu schlüpfen, lässt sich nicht mit Gold aufwiegen. Dafür schleppe ich dann auch 400g mehr im Rucksack herum. Kann ich dir nur empfehlen.:)

Unterwäsche

Als Basis verwende ich beim Trekking Sachen aus Merinowolle. Der besondere Vorteil daran: Ich schwitze recht schnell und viel. Aber selbst nach 3 Tagen roch das Shirt weniger schlimm als ich.:) Das kenne ich von synthetischer Funktionskleidung ganz anders. Mit einem der Shirts konnte ich schon nach einem kurzen Landgang ausgehungerte Eisbären vertreiben.

Ebenfalls wichtig: Gute Merino-Shirts kosten. Und zwar nicht zu knapp. Das hat auch seinen Grund. Bei den typischen Firmen wie Icebreaker kannst du dir sicher sein, dass die Merino-Schafe und auch die Hütehunde vernünftig gehalten werden. Von Sonderangeboten aus den großen Discountern halte ich gar nichts, Stichwort Mulesing.

Oberbekleidung

Oben drüber kommt ein Fleece-Pulli. Der hält warm und ist atmungsaktiv. Leider riecht der Pulli bereits nach zwei Tagen. Hier werde ich mir wohl mal eine Alternative überlegen müssen.

Darüber wiederum trage ich einen winddichten Überwurf. So kühlt mich etwaiger Wind nicht so schnell aus.

Und darüber liegt eine vernünftige Regenjacke. Hier solltest du darauf achten, dass die Jacke aus drei verschweißten Lagen besteht. So hält die Jacke auch längere Trekkingtouren durch.

Alles zusammen getragen, lässt mich auch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt aushalten. Und je nach Wetter und Wind kann ich mir die passende Kleidung zusammenstellen.

Beinkleider

Auch hier gilt: wasserdicht oder schnelltrocknend, am besten beides. Nützlich an der Hose sind reichlich Taschen für Karte, Telefon, Tabak, Feuerzeug und anderen Kleinkram. Verzichten solltest du auf einen Gürtel in der Hose. Dieser liegt sonst unter dem Beckengurt des Rucksacks und kann fiese Spuren hinterlassen.

Achte beim Kauf der Hose darauf, dass du dich gut bewegen kannst. Gleichzeitig sollte sie aber auch recht eng sein. Denn glaub mir, wenn du 7 Tage oder mehr mit Rucksack durch die Wildnis stapfst, wirst du sehr schnell an Umfang und Gewicht verlieren…:)

Die Regenhose (absolut notwendig im Norden) sollte möglichst einfach anzuziehen sein. Auch mit klobigen Wanderschuhen. Denn egal wie genau du das Wetter beobachtest: Der Regen kommt doch immer sehr plötzlich.:) Dabei haben sich bei mir Modelle mit Reißverschlüssen an der Seite bewehrt, die bis zur Hälfte des Oberschenkels reichen.

Socken

Ein völlig unterschätztes Thema. Ich habe einige Leute auf Trekking-Touren getroffen, die trotz sündhaft teurer Schuhe riesige Blasen an den Füßen bekamen. Der Grund waren die falschen Socken. Baumwolle braucht ewig zum Trocknen. Und durch die Anstrengung werden deine Füße mit Sicherheit recht schnell feucht. Wenn dann der Schuh minimal nicht richtig sitzt, kannst du echte Probleme bekommen. Abhilfe schaffen hier Merino-Socken.

Als ich mein erstes Paar kaufte, war ich völlig überrascht. Die Socken fühlt sich ungemein gut an. Super weich, fast wie ein Kissen am Fuß. WIe weiter oben schon beschrieben hat Merino-Wolle auch noch den Vorteil, sehr schnell zu trocknen. Ich verwende ein paar Socken im Schnitt 4-5 Tage am Stück. Baumwolle halte ich kaum 24 Stunden im Alltag aus. Und da schleppe ich keine 20kg auf dem Rücken oder klettere über Felsblöcke.

Schuhe

Kommen wir nun zum Herzstück der Ausrüstung: die Wanderschuhe. Auch bei diesem Thema gibt es hitzige Diskussionen. Denn jeder verteidigt natürlich seinen Kauf. Die Palette an Modellen lässt sich kaum überblicken. Wie schon bei der übrigen Ausrüstung habe ich eine wichtige Empfehlung für dich: Geh in ein Geschäft und lass dich beraten! Denn so individuell wie die Menschen sind, sind auch ihre Füße. Und natürlich hängt die Wahl des Schuhs auch von deinem Ziel ab. Für eine Trekking-Tour in Spanien im Sommer, sind steigeisengeeignete Bergstiefel eventuell übertrieben.

Worauf gilt es beim Schuh aber zu achten? Logischerweise sollte er passen. Was vielleicht trivial klingt, ist gar nicht so einfach. Denn du wirst dich beim Trekking viel in den Schuhen bewegen und das selten auf ebenem Untergrund. Gute Fachgeschäfte haben eine kleine Teststrecke aus verschiedenen Untergründen und mit kleinen Steigungen. Sitzt dein Schuh überall gut am Fuß und du stößt nirgendwo an, Super!:)

Tipps beim Kauf

Wie findest du nun den für dich passenden Schuh? Am einfachsten ist dieser Ratschlag: Nimm die Sohle aus dem Schuh und stell‘ dich drauf. Hast du zum vorderen Sohlenrand eine Daumenbreite Abstand, passt die Schuhgröße.

Ein weiterer Tipp: Wanderschuhe solltest du am späten Nachmittag kaufen. Denn durch die Belastung des Tages schwellen die Füße auch im Alltag an. Ein passender Schuh am Morgen kann am Abend zu eng werden. Besonders, wenn du einiges an Kilometern und mit Gepäck gelaufen bist.

Noch ein Tipp: Idealerweise hast du die Trekking-Socken schon vor dem Schuh gekauft. Dann zieh sie direkt beim Kauf an. Socken können unterschiedlich dick sein. Passt dir ein Schuh in dünnen Baumwollsöckchen, kann er mit Trekking-Socken drücken.

Was auch noch einen guten Wanderschuh ausmacht? Er muss bequem sein. Und zwar so bequem, dass du ihn gar nicht mehr ausziehen möchtest. Ich trage meine Wanderstiefel unfassbar gern. Ich hatte noch nie ein bequemeres Paar Schuhe. Und ganz ohne Witz: Ich habe mir noch nicht eine einzige Blase in den Schuhen gelaufen!:) Das wünsche ich dir auch!

Verpflegung

Die Verpflegung ist neben der Ausrüstung DAS Thema unter Trekking-Leuten. Zum einen ist Verpflegung absolut notwendig. Zum anderen macht die Verpflegung den Löwenanteil am Gewicht deines Gepäcks aus. Zumindest sollte sie das.:)

Es gibt auch keinen anderen Bereich im Trekking, in dem du dich so austoben und kreativ werden kannst. Im normalen Leben koche ich zwar ausgesprochen gern. Bei einer Tour habe ich darauf aber ehrlich gesagt einfach keinen Bock. Dementsprechend ernähre ich mich von gefriergetrockneter Nahrung. Der Vorteil dabei: Einfach kochendes Wasser drauf schütten, umrühren, Tüte verschließen und 5 Minuten warten. Fertig ist das gehaltvolle Abendessen. Der Nachteil: Ich esse vegetarisch. Das lässt sich mit dem Trekking-Futter nicht durchhalten (jedenfalls nicht nach meinem Geschmack). Doch der Reihe nach:

  • Frühstück: Zum Frühstück gibt es bei mir Vollkornmüsli. 125g pro Portion reicht um die müden Geister zu wecken. Das ganze mit Trockenmilch aufgerührt reicht mir vollkommen. Den morgendlichen Kaffee (ohne geht gar nicht!) koche ich mir mit fair gehandeltem Instantpulver.
  • Wegzehrung: Unterwegs ernähre ich mich von Schoko- und Fruchtriegeln und Minisalami. Bewehrt als Balance zwischen Hunger und zu viel Gewicht hat sich folgendes: 1 großer Schokoriegel (50g), 2 kleine Schokoriegel (25g), 1 Fruchtriegel (25g), 1 Minisalami (25g), 1 Kabanossi (75g).
  • Abendessen: Bei meinen Trekking-Touren hat es sich eingebürgert, abends warm zu essen. Das Essen hatte ich ja bereits erwähnt. Mit der Zeit sammelst du deine Erfahrungen, was schmeckt und worum du lieber einen großen Bogen machen solltest. Am bittersten enttäuscht wurde ich bisher von einem Curryrahm-Hühnchen. Mir ist bis heute nicht klar, wer da Rosinen und Ananas hineinwirft… .
    Tipp: Achte auf die Zutaten auf der Rückseite. Ich wurde einige Male fies überrascht, weil ich nicht genau genug las.

Ungesund ist kein Problem 🙂

konrad isst einen schokoriegel unter seinem mosquitonetz
Manchmal wird das Essen auch zu einer Herausforderung. Wie hier auf dem Arctic Circle Trail in Grönland. Wegen riesigen Schwärme von Moschusochsenfliegen musste ich die Riegel mit Mosquitonetz essen…

Wie du siehst bin ich nicht sonderlich gesund unterwegs. Das Schöne an einer Trekking-Tour: Du kannst im Prinzip futtern, was du willst. Und du wirst trotzdem Gewicht verlieren. Auf dem Arctic Circle Trail in Grönland fehlten mir nach 9 Tagen Wandern gute 8 Kilo. Und damit meine ich nicht den Rucksack.:)

Trau dich ruhig, beim Essen rumzuprobieren. Ich bin damit auch noch lange nicht fertig. Ich suche beispielsweise noch nach einer besser sättigenden Alternative für die vielen Schokoriegel. Die am häufigsten genannte Variante sind hier Nüsse. Bereits kleine Mengen sind nahrhaft. Doof nur, wenn man auf Nüsse allergisch reagiert.

Planung

Nun ist es also soweit. Du hast dich entschieden, du willst dich im Trekking ausprobieren. Du hast auch schon dein Ziel grob festgelegt und dir die nötige Ausrüstung besorgt. Ausgezeichnet. Der Zeitraum ist vermutlich auch klar. Als nächstes steht nun die konkrete Planung auf dem Zettel. Ich gehe dabei wie folgt vor:

  • Lektüre
  • An- und Abreise planen
  • Tagesetappen grob zusammenstellen
  • Packen
  • und, ganz wichtig: VORFREUDE! 🙂

Lektüre digital/print

Wenn das Ziel grob feststeht, suche ich im Netz nach Trekking-Touren. Das geht am einfachsten im Forum outdoorseiten.net. Dort berichten viele Menschen von ihren Touren und geben Hilfestellungen für eigene Wanderungen. Gelegentlich solltest du mit den Einschätzungen über den Schwierigkeitsgrad ein wenig vorsichtig sein. Einige neigen zum Über- andere zum Untertreiben.

Habe ich mir online einige Ideen geholt, suche ich nach gedruckten Berichten oder auch Reiseführern. Mit der Geo-Buchhandlung verfügt Kiel über einen großartigen Laden für Reiseberichte, Reiseführer, Land- und Wanderkarten. Mein erster Weg führt mich dort hinein. Und der zweite auch. Habe ich mich für ein Ziel entschieden, kaufe ich eine gute Wanderkarte. Gut bedeutet: Maßstab 1:50.000. Und zusätzlich mit Informationen über Bodenbeschaffenheit, Höhenlinien und Landschaft.

Auch in Zeiten von GPS und sehr einfacher Navigation mit Hilfe eines Smarthones gehe ich nie ohne Karte und Kompass auf Trekking-Tour. Zum einen interessiert mich die Umgebung inklusive der Namen von Bergen. Zum anderen kann die Technik versagen, der Akku schneller leer sein als erwartet oder sonst irgendwas. Eine Karte kann in diesen Fällen die Rettung sein. Ich bin zwar kein Meister der Navigation, aber für grobe Richtungs- und Standortbestimmungen reicht es. Um grundlegende Fähigkeiten in der Orientierung zu erlernen, empfehle ich dir das Buch: „Orientierung mit Karte, Kompass, GPS“ von Wolfgang Linke.

Mit diesem Vorgehen kann ich das Trekking-Ziel gut eingrenzen. Da ich gern tolle Bilder von der Tour mitbringen will, werfe ich auch noch einen Blick auf die Bildergebnisse einer Internet-Suchmaschine. Damit steht in der Regel das Ziel auch fest.

An- und Abreise

wegweiser in grönland am flughafen
In Grönland ist schon die Anreise ein Abenteuer für sich

Und dann wird es auch schon konkret. Am entspanntesten finde ich die Anreise mit Bus und Bahn. Das hat den Vorteil, dass du zuhause den Rucksack zum Loswandern packen kannst. Für’s Trekking in Island und Grönland ist das aber keine Option. Das geht nur mit dem Flieger. Dabei musst du bedenken, dass du auf Flügen keine Gaskartuschen mitnehmen kannst. Außerdem dürfen in der Regel keine Gegenstände außen am Rucksack angebracht sein. Den Kauf des Brennstoffs musst du bei der Anreise mit einplanen. Ich fand eine Übernachtung nach dem Flug total sinnvoll. In einem Zimmer lässt sich der Rucksack wesentlich besser von Flug- auf Wandermodus umpacken.

Hilfreich bei der Planung fand ich auch hier wieder Reiseberichte von anderen Menschen. Denn häufig beschreiben sie, wie sie an den Ausgangspunkt ihrer Trekking-Tour gekommen sind.

Fähre im hafen von oslo am terminal
2020 reiste ich mit einer Fähre nach Norwegen. Von Oslo aus ging es dann mit dem Bus weiter. Auch mal eine interessante Erfahrung.:)

Kleiner Tipp: Wenn du mit dem Nachtzug nach Skandinavien reist, buche unbedingt einen Liegeplatz! Das habe ich nämlich unterschätzt. Nach 12 Stunden Fahrt konnte ich mich kaum noch bewegen. Und das nur, weil ich zu knausrig für den Aufpreis für eine Liege war.:D

Bei der Abreise solltest du etwas Pufferzeit einbauen. Schlechtes Wetter, Pannen oder langsames Vorankommen können dich unerwartet ausbremsen. Gerätst du dann unter Zeitdruck, geht der Spaß flöten. Ich traf in Grönland eine Gruppe von vier Menschen. Die waren sichtlich in Eile, da sie drei Tage nach unserem Treffen nach Hause fliegen sollten. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie aber noch über 60km vor sich. Ist zwar durchaus machbar, aber in meinen Augen sinnlos.

Planung der Trekking-Etappen

Sind An- und Abreise festgelegt, geht’s nun an das Planen der einzelnen Tage. Hier helfen erneut Wanderführer, Reiseberichte und auch die Karte. Zu genau plane ich die einzelnen Etappen allerdings nicht. Meist kommt es sowieso anders als du denkst. Ich empfehle dir aber auf das Höhenprofil zu achten. Das habe ich in Norwegen nämlich völlig unterschätzt. 400 Höhenmeter sind verdammt viel. Besonders mit 20kg auf dem Rücken und aus dem flachen Norddeutschland kommend. Hier misst der höchste „Berg“ 167m.

steinwüste im jotunheimen nationalpark in norwegen
Geröllfelder bremsen das Vorankommen enorm, gut, wenn du das vorher auf der Karte siehst und einplanen kannst.

Auf guten Karten findest du auch Informationen zur Bodenbeschaffenheit. Besonders Geröllfelder und dichtes Buschwerk bremsen das Wandertempo enorm. In höheren Lagen kann es gut sein, dass du über Schneefelder läufst, die ebenfalls die Geschwindigkeit drosseln. Oder du musst Umwege in Kauf nehmen, weil Wege ver- oder gesperrt sind.

anspruchsvolle furt auf dem laugavegur in island
Flussquerungen bremsen das Tempo ebenfalls und können sogar dazu führen, dass du dir eine andere Route suchen musst.

Auch Flussdurchquerungen verlangsamen das Tempo. Musst du die Schuhe wechseln, dauert das schon einige Momente. Habe immer im Hinterkopf, dass spontane Änderungen notwendig sein könnten.

Packen und Vorfreude

Exkurs: Rucksack richtig packen

komplette trekking-ausrüstung auf einem tisch
Du fragst dich, wie das alles in den Rucksack passen soll? Ich mich auch, jedes Mal aufs Neue. Und doch klappt es immer irgendwie.:)

Die schweren Sachen wie Schlafsack, Kleidung und Essen solltest du möglichst mittig im Rucksack verstauen. Leichtere Sachen wie Gaskartuschen, Zeltplane und Kocher finden bei mir ihren Platz im unteren Fach. Denn je weiter unten der Schwerpunkt liegt, desto unangenehmer lässt sich der Rucksack tragen. Die Isomatte landet bei mir zu Beginn der Trekkingtour, wenn der Rucksack noch sehr voll ist, außen am unteren Fach. Verpackt in einen wasserdichten Sack. Denn die Matte ist leicht und macht sich soweit außen kaum bemerkbar. Schwerere Sachen solltest du aber nicht außen ranhängen. Denn sonst fängt der Rucksack an zu schwingen. Das macht das Laufen unangenehm und kann zu echten Problemen auf schwierig zu gehenden Etappen führen.

Sachen die du während deiner Tagesetappen benötigen wirst, bspw. Wegzehrung oder Regenkleidung, verstaust du am besten im Deckelfach. So kommst du bei Bedarf schnell ran. Die Wasserflaschen stopfe ich in die Außentaschen an der Seite. So sind sie dicht am Rücken und ich komme bei einer Pause schnell ran.

Kleiner aber wichtiger Tipp: Sichere Sachen, die du außen am Rucksack befestigst am besten doppelt! Am besten mit einem kleinen Karabiner. In Norwegen verlor ich die kompletten Stangen für’s Zelt. Die sind nämlich einfach aus der Seitentasche gerutscht. Hätte ich sie mit einem Karabiner am Rucksack gesichert, wären sie zwar auch rausgefallen, ich hätte das dann aber gemerkt.

Vorfreude

Hast du auch das erledigt, kommt der schönste Teil der Vorbereitung: Die Vorfreude!:) In diesem Modus macht mir sogar das Einkaufen Spaß. Ein, zwei Tage vor der Abreise checke ich noch mal meine Ausrüstung. Sollte etwas kaputt sein oder nicht funktionieren, kann ich es noch fix tauschen. Mit dem Packen des Rucksacks wird die Vorfreude noch um einiges gesteigert. Und dann geht es endlich los!:D

Die Trekking-Tour

Keine Hektik!

Grundsätzlicher Tipp: Hast, Eile und Hektik sind beim Trekking absolut fehl am Platz. Du steigerst damit die Chance, grobe Fehler zu machen. Die können dir nicht nur die Tour vermiesen, sondern sie auch komplett scheitern lassen oder sogar ernsthafte Schwierigkeiten verursachen. Versuche also einen kühlen Kopf zu bewahren und Entscheidungen in Ruhe zu treffen. Kleinere Leichtsinnigkeiten können beim Trekking heftige Konsequenzen haben. Im Sarek führte der Weg über ein steiles Geröllfeld. Kurz zuvor hatte es geregnet, also alles nass und glitschig. Schnell kam der Punkt, an dem ich das Geröllfeld hinter mir haben wollte und wurde hektisch und unkonzentriert. Ich rutschte aus und landete recht unsanft auf einigen Steinen. Die waren zum Glück nicht sonderlich locker. Ein Stück weiter oben oder weiter unten hätte dieser Fehler auch einen Absturz von 10 oder 15 Metern bedeuten können.

Also: Wachsam bleiben!

Kontakt zu anderen Abenteurern

Das schöne am Trekking ist, dass du völlig unkompliziert mit anderen in Kontakt kommst. Besonders am Ende von Etappen ergibt sich häufig die Gelegenheit zu einem Gespräch, so denn andere Menschen in deiner Nähe campieren. Du bekommst die Chance, wertvolle Tipps und Hinweise zu erhalten. Und grade als Anfänger kannst du dir den ein oder anderen Kniff abschauen.

Großartig fand ich die Idee, den Rucksack mit den Wanderstöcken zum Packen abzustützen. Aber auch bei der Nahrung finde ich es spannend zu sehen, wie andere vorgehen. Nachfragen lohnen sich auch bei Flussquerungen. So bekommst du Infos zum Wasserstand und ob du deine Schuhe wechseln musst. Ich fand’s sinnvoll vorher zu wissen, was mich am nächsten Tag erwartet.

Zeltplatz am See beim Trekking in Norwegen
Durch Nachfrage erhielt ich den Hinweis auf einen tollen Zeltplatz direkt am See Russvatnet

Ebenfalls sehr hilfreich ist die Frage nach guten Zeltgelegenheiten. So fand ich einen traumhaften Zeltplatz in Norwegen. Direkt am See. Und natürlich kannst du dir auch Inspiration für weitere Trekkingtouren holen. 🙂

Flussquerungen

Flussquerung im Sarek mit Ausblick auf umliegende, schneebedeckte Berge
Flussquerungen sind im Sarek an der Tagesordnung

Zum Thema Furten habe ich ein sehr spezielles Verhältnis. Grundsätzlich macht es mir Spaß. Hinterher. Wenn ich wieder in den Wanderschuhen stecke. Wenn meine Füße ins eisige Gletscherwasser tauchen, hält sich der Spaß in Grenzen. Schlüpfe ich nach der Furt aber wieder in Socken und Wanderstiefel, ist das Gefühl unbezahlbar. Unglaublich schnell werden meine Füße wieder durchblutet. Das sorgt für eine wohlige Wärme.

Grundsätzliches zum Furten:

  • NIEMALS barfuß durch’s Wasser!
  • Wasserstände über Kniehöhe sind extrem riskant, ab Hüfte unpassierbar
  • nimm dir Zeit!
  • breite Verzweigungen sind in der Regel gut zum Furten geeignet
  • achte auf Markierungen am Ufer und andere Menschen beim Furten
  • teste mit Wanderstöcken die Strömung
  • öffne beim Furten den Beckengurt des Rucksacks
  • wate schräg gegen die Strömung, niemals frontal oder mit der Strömung
  • fixiere einen Punkt am gegenüberliegenden Ufer
  • nutze Wanderstöcke zur Stabilisierung
  • morgens sind die Pegelstände am niedrigsten
  • Hitze und starke Regenfällen lassen die Wasserstände steigen
  • bist du unsicher, ob der Fluss zu durchqueren ist, suche dir eine alternative Route!

Beim Furten niemals, wirklich NIEMALS! barfuß ins Wasser steigen. Steine können extrem scharfkantig sein. Aufgrund des kalten Wassers merkst du den Schnitt aber nicht sofort. Sowas kann mit Pech das Ende deiner Tour bedeuten! Als Schuhwerk nutze ich Strandschuhe. Die sind nicht nur günstig. Mit ihrer profilierten Gummisohle habe ich auch auf glitschigen Steinen ausreichend Halt. Nachteil: Die Strandschuhe sind verhältnismäßig schwer. Alternativen sind Clogs, Trekkingsandalen, Neoprensocken oder leichte Wanderschuhe.

Und nochmal: Auf keinen Fall in Hektik verfallen! Fällt mir auch immer schwer. Besonders wenn die Wassertemperatur nur knapp über dem Gefrierpunkt liegt. 🙂

Schneefelder

Schneefeld zwischen rhyolithbergen auf dem Laugavegur
Eines der Schneefelder auf dem Laugavegur

Je nach dem, wo du deine Trekking-Tour durchführst, stößt du vielleicht auch auf Schneefelder. Bei der Überquerung gibt es auch ein paar Sachen, die du beachten solltest. Ähnlich wie bei Flüssen werden Schneefelder zur späteren Tageszeit immer anstregender. Sonne und hohe Temperaturen sorgen dafür, dass der Schnee klebrig wird. Wenn dann nach einem langen Wandertag eine ordentliche Portion an deinen Schuhen klebt, wirst du das Zusatzgewicht hassen lernen. 🙂 Das Laufen über den Schnee ist nicht nur durch das Zusatzgewicht mühselig. Ständig rutschen die Füße weg und finden kaum Halt. Kommen dann noch Steigungen dazu, ist höchste Konzentration gefordert. Andernfalls landest du ziemlich schnell auf dem Hosenboden.

Tipp: Trekking-Stöcke sorgen auch bei Schneefeldern für zusätzliche Stabilität.

Zusätzlicher Tipp: Ist auf deiner Trekking-Tour mit Schneefeldern zu rechnen, packe unbedingt eine Sonnenbrille ein. Du glaubst gar nicht, wie stark der Schnee das Licht reflektiert. Mir tat das besonders in Norwegen schon ziemlich in den Augen weh.

schneedecke unter Nebel auf felsig-morastigem Untergrund
Solche Schneebögen können beim Trekking richtig gefährlich werden

Sehr gefährlicher ist auch die Schneedecke selbst. Denn du wirst nur selten erkennen können, was sich unter dem Schnee verbirgt. Sogenannte Schneebrücken können tückisch sein. Oftmals spülen Flüsse und Bäche den Schnee von unten weg. So wird das Gebilde immer fragiler, bis ein Wanderer auf die Schneedecke tritt und einbricht. Auch hier wieder der Tipp: Trekking-Stöcke sind hilfreich um die Festigkeit der Schneedecke zu prüfen. Und natürlich gilt bei Schneefeldern wie bei Furten der Hinweis: Achte auf deine Umgebung und keine Hektik!

Mit etwas Vorsicht und Konzentration kann das Wandern über Schnee sogar ziemlichen Spaß machen. Besonders, wenn der Schnee eine riesige Geröllhalde überdeckt. 🙂 Und eine kleine Schneeballschlacht hat auch noch niemandem geschadet. 😀

Das Wetter

Blick über den Zeltplatz in Hrafntinnusker auf dem Laugavegur
Abends sah der Himmel noch halbwegs beruhigend aus…
laugavegur versinkt im nebel
Nächster Morgen: Regen, schlechte Sicht ständiges Auf und Ab und Matsch. Der Trekking-Spaß war wie weggeblasen.

Eine ganz wichtige Rolle spielt beim Trekking das Wetter. Behalte mit einem Auge den Himmel im Blick. Beobachte in welche Richtung die Wolken ziehen. So bleibst du vor unangenehmen Überraschungen gefeit. Im Conrad-Stein-Verlag ist ein kleines Büchlein zum Thema „Wetter“ beim Trekking erschienen. Launig geschrieben und informativ. Zur Vorbereitung sehr zu empfehlen.

Weil es mich aktuell grade betraf: Unterschätze nie die Sonne! Ich hab mir in Norwegen einen richtig fiesen Sonnenbrand geholt. Bei Temperaturen um die 12°C und einem leichten kühlen Wind, habe ich nicht daran gedacht, Sonnencreme zu nutzen. Am Abend hatte ich mir meine Hand richtig übel verbrannt. Die Haut löste sich soweit ab, dass es anfing zu bluten. Den Rest der Trekking-Tour lief ich mit verbundener Hand durch’s Gebirge. Auf die Erfahrung hätte ich gern verzichtet.

Zeltplatzwahl und -aufbau

zelt oberhalb eines sees auf dem arctic circle trail
Ein nahezu perfekter Zeltplatz beim Trekking in Grönland. Waserzugang, im Rücken etwas Windschutz und weicher Untergrund.

Achte bei der Wahl deines Zeltplatzes auf folgende Dinge:

  • möglichst keine Senken
  • mindestens eine windgeschützte Seite
  • ist dein Zelt der höchste Punkt in der näheren Umgebung, kann das bei Wind unangenehm werden
  • achte auf die Bodenbeschaffenheit und auf spitzkantige Steine
  • lass ausreichend Abstand zu Gewässern
  • vergewissere dich, dass du dein Zelt nicht auf einem Ameisenhügel baust
  • lass ausreichend Platz zu möglichen Nachbarn
  • richte dein Zelt mit der schmalen Seite nach dem Wind aus (ich weiß, das klappt nur bedingt, wenn der Wind sich dreht…)

Behalte immer im Kopf, dass starke Windböen nicht zu sehen sind. Befestige dementsprechend alle Zeltsachen, die wegfliegen könnten. Bei zwei Menschen hat sich bewehrt, dass einer die Plane festhält, während der andere sie mit Heringen fixiert. Erst dann kommt der eigentliche Aufbau. Beim Abbau läuft es ähnlich. Einer hat immer die Hand an Zeltplanen und anderen leichten aber wichtigen Teilen.:) In Island flog zwei Menschen im Sturm das Außenzelt davon. Deren Tour war damit schon nach der ersten Etappe beendet. Das hat meinen Trekking-Kumpel und mich von jeglichem Leichtsinn kuriert.

Und auch hier gilt wieder: Keine Hektik! 🙂

Umwelt

hütte in grönland auf dem arctic circle trail
Die Hütte und die Kulisse täuschen, drumherum fanden wir unfassbar viel Müll!

Zum Abschluss dieses Kapitels lass mich dir noch ein paar Worte zum Umgang mit der Umwelt und der Natur nahe legen. Den Reiz des Trekkings macht die Natur und die Umwelt aus. Sie zu erhalten sollte oberste Priorität haben. Du kannst dir kaum vorstellen, über wie viel Müll ich auf meinen Touren stieß. Die Hütte auf dem obigen Bild war einer der traurigen Höhepunkte.

Für mein Trekking-Verständnis passt das einfach nicht zusammen. Sämtliche Verpackungen stecken zu Beginn einer Tour bereits im Rucksack. Also muss es möglich sein, die leeren Verpackungen ohne viel Mühe wieder mitzunehmen. Ja, auf dem Arctic Circle Trail lläufst du 7-10 Tage durch die Wildnis. Bei 10 Tagen kommt auch einiges Gewicht an Müll zusammen. Aber das kann doch nicht die Rechtfertigung sein, seinen Müll irgendwo hinzuwerfen. Teilweise gaben sich Menschen sogar richtig Mühe, den Müll zu verstecken! Diese Rücksichtslosigkeit macht mich sprachlos. Wir haben doch alle das gleiche Ziel: Eine Trekkingtour durch atemberaubende Natur. Dann kann ich sie doch nicht hinter mir derartig zu müllen!

Appell!

Daher mein Appell: Hinterlasse nichts in der Natur, außer Fußspuren! Besonders in den arktischen Gefilden braucht es unfassbar lang, ehe sich das Ökosystem von solchen Eingriffen erholt. Die Sommer sind sehr kurz. Trekking bedeutet für mich direkte Verbundenheit mit der Natur. Entsprechend versuche ich die Auswirkungen meines Vergnügens möglichst gering zu halten. Ich wäre dir dankbar, wenn du dich ähnlich verhältst.

Hinweis an uns Raucher

Und noch was: Ich bin Raucher. Das ist eine blöde Angewohnheit, ich weiß. Ich bin mir bewusst, dass Zigarettenkippen für die Umwelt ein echtes Problem sind. Jeder Raucher ist dafür verantwortlich, dass seine Kippen nicht einfach in der Natur landen und natürlich auch, dass die Glut keine Brände auslöst! Taschenaschenbecher sind das Stichwort. Und wenn es extrem trocken ist, muss auf die Zigarette verzichtet werden!

Typische Anfängerfehler beim Trekking

Natürlich habe ich auch typische Anfängerfehler auf meinen Trekking-Touren gemacht. Selbst bei der vierten Tour dieses Jahr in Norwegen. Hier mal eine Liste, was ich bis dato alles falsch gemacht habe 🙂 :

  • Sachen außen am Rucksack nicht doppelt gesichert – zack, war das Zeltgestänge weg
  • Watschuhe zu groß gekauft – unglaublich dämlich, da ich beim Furten kaum Halt hatte
  • in Grönland im August Stirnlampe mit Ersatzbatterien dabei gehabt – richtige Glanzleistung, Stichwort: Mitternachtssonne… 😀
  • Zutaten auf der Verpackung des Trekking-Futters nicht genau gelesen – getrocknete Tomaten und Cayenne-Pfeffer sorgen bei mir für Allergieschock. Immerhin habe ich es noch rechtzeitig vor dem Essen gemerkt
  • scharfkantiges Lavagestein auf die Zeltplane als Sturmsicherung gepackt – dazu hatte ich ja schon etwas unter „Ausrüsung –> Zelt“ geschrieben
  • Anschluss der Gaskartusche vor der Wanderung nicht überprüft – richtig unangenehm, wenn sämtliche Verpflegung von kochendem Wasser abhängig ist und du keinen Ersatz kaufen kannst
  • Höhenlinien auf Karten nicht ernst genommen – das sorgte im Sarek für eine ziemliche Überraschung, als wir vor einer nahezu senkrechten Wand standen
  • morgens hektisch den Rucksack zusammengepackt und die Wegzehrung nicht im Deckelfach deponiert – bei Regen das Hauptfach nach dem Essen zu durchsuchen macht absolut keinen Spaß…
  • beim Zeltaufbau im Regen zu hastig vorgegangen, so dass Nachbesserungen im strömenden Regen notwendig wurden – mit etwas mehr Sorgfalt beim Aufbau wäre mir eine kalte Regendusche mit Sicherheit erspart geblieben
  • Kraft der Sonne bei geringen Temperaturen völlig unterschätzt – ich erwähnte den üblen Sonnenbrand bereits…
  • nach einem Schauer auf Regenhose verzichtet, obwohl der Weg durch Gebüsch führt – Gebüsch ist nach Regen nass. Klingt logisch, hatte ich aber völlig verdrängt. So war die Wanderhose nach 100m völlig durch
  • Regenhose über durchgeweichte Wanderhose gezogen – siehe Punkt oben. Über die nasse Hose dann die Regenhose sorgt lediglich dafür, dass die Wanderhose nicht trocknet.
  • Zelt zu sorglos abgespannt – als über Nacht ordentlich Wind aufkam, ließ uns das Rütteln am nachlässig gespannten Zelt kaum noch ein Auge zu machen
  • über eine Stunde lang versucht, Fluss auf Steinen zu durchqueren um Schuhe nicht wechseln zu müssen – auch so eine Glanzleistung. Aus reiner Faulheit lief ich den Flusslauf hoch und runter. Eine ganze Stunde lang. Hätte ich die Schuhe gleich gewechselt, wären die Wanderstiefel trocken geblieben und ich ne Menge Zeit gespart…
  • blind auf die Beschreibung aus dem Reiseführer/Trekking-Führer vertrauen – auf dem Arctic Circle Trail suchten wir eine Brücke, die laut Wanderführer einfach zu finden sein sollte…
  • zu viele Klamotten mitgeschleppt – wohl der Klassiker…
  • … (Liste wird fortlaufend ergänzt…:D)

Wie du siehst, habe ich eine Menge Fehler gemacht. Einige davon sind schwerwiegend, andere eher zum Schmunzeln. Vielleicht hilft dir die Liste ja ein wenig, bei der Vorbereitung deiner eigenen Trekking-Tour.

Was sind deine Fehler beim Trekking gewesen? Was hast du einmal und nie wieder verkehrt gemacht? Lass es mich wissen.:) Das geht per Kommentar, per Mail, Facebook oder Instagram. Und natürlich bin ich auf deine Trekking-Erfahrungen gespannt. Mit welcher Tour bist du gestartet? Wie ging es weiter? Erzähl mir davon.:)

Willst du wissen wie meine bisherigen Touren abliefen? Klicke auf Laugavegur, Arctic Circle Trail oder Sarek Trekking-Tour und lass dich überraschen.:)

Zum Seitenanfang

Sonnenuntergang an der Ostsee fotografieren

Sonnenuntergang an der Ostsee
Sonnenuntergänge an der Ostsee faszinieren mich jedes Mal auf’s Neue

Einen Sonnenuntergang an der Ostsee fotografieren, eigentlich ganz einfach, oder? Wie ich dabei vorgehe, möchte ich dir kurz beschreiben.

Vorbereitung – der Grundstein zum Fotografieren

Mit einer guten Vorbereitung vermeidest du Streß vor Ort. Es gibt eine Vielzahl an Apps, mit denen man den Sonnenstand an jedem beliebigen Ort der Welt überprüfen kann. Hinzu kommt die sehr hilfreiche Funktion „Sonnenstand“ bei Google Earth. Mit dieser kannst du dir den Verlauf der Sonne an deinem gewünschten Standort ansehen. Das für den Sonnenstand wichtige Datum ist dabei frei wählbar. Ein sehr nützliches Tool, wenn du in Gegenden unterwegs bist, die du nicht kennst, bspw. im Urlaub.

Der Wetterbericht spielt ebenfalls eine große Rolle um den Sonnenuntergang an der Ostsee zu fotografieren. Auch hier gibt es einige nützliche Apps, die sogar die unterschiedlichen Wolkenhöhen anzeigen. Grundsätzlich reichen aber auch herkömmliche Webseiten, die einen stündlichen Ausblick aufs Wetter ermöglichen.

Wenn du den ausgewählten Ort, beziehungsweise den Weg dorthin, nicht kennst, solltest du ausreichend Zeit für die Anfahrt einplanen. Ich kalkuliere gern mit einer kompletten Stunde, die ich an der Location bis zum tatsächlichen Sonnenuntergang habe. Dabei solltest du bedenken, dass es meistens mit der bloßen Anfahrt nicht getan ist. Ich vergaß häufig die Zeit einzukalkulieren die man vom Auto zum Spot läuft. Daher meine Empfehlung: Kalkuliere großzügig! Hektik in der Landschaftsfotografie passt selten gut zusammen.

Durchführung – an der Ostsee angekommen

Bist du am gewünschten Platz angekommen, sieh dich zunächst einmal um. Lass die Atmosphäre und die Sonne auf dich wirken. Lass die Kamera zunächst, wo sie ist, in der Tasche. Mir passiert es häufig, dass ich den eigentlichen Zielort variiere. Wenn mir zum Beispiel eine schöne Steinformation auffällt, oder ein interessant geschwungenes Bachbett am Strand ins Auge springt.

rauschende welle bricht zum sonnenuntergang an der ostsee über steine
Es lohnt sich, vorort den Blick ein wenig schweifen zu lassen und nach einem spannenden Vordergrund zu suchen

Nach einem Moment des Ankommens startet der praktische Teil. Kamera auf’s Stativ, notwendige oder hilfreiche Filter vor die Linse und los geht’s. Im Folgenden eine Auflistung kleiner nützlicher Hinweise, die ich mir alle selbst erarbeitete oder abschaute. Tipps zu fotografischen Einstellungen gebe ich an dieser Stelle nicht.

Tipps um den Sonnenuntergang an der Ostsee zu fotografieren

  • Perspektive!
    Habe den Mut, dich lächerlich zu machen! Ich musste und muss mich immer noch überwinden, durch den Sand zu kriechen, mich zu verrenken und unmögliche Positionen einzunehmen. Häufig führen diese Albernheiten aber zu Bildern, die sich von der Masse abheben.
  • Verschiedene Brennweiten!
    Immer wieder stolpere ich in Foren, Blogs und sozialen Netzwerken über das Dogma „Landschaftsfotografie geht nur mit Weitwinkel!“ Ich fotografiere selbst häufig im extremen Weitwinkel. Aber ebenso häufig gefallen mir Bilder, die zum Sonnenuntergang mit sehr telelastigen Brennweiten entstehen. Es gibt keine dogmatische Empfehlung! Einfach Ausprobieren!
  • Stativ nutzen!
    Grundsätzlich empfehle ich zum Fotografieren des Sonnenuntergangs an der Ostsee (und eigentlich generell in der Landschaftsfotografie) den Einsatz eines Stativs. Bei den sehr heftigen Helligkeitsunterschieden zwischen Sonne/Himmel und übriger Szenerie, kannst du dir mit Filtern behelfen oder Belichtungsreihen aufnehmen.
  • Hektik vermeiden – Ruhe bewahren!
    Eile, Hast und Zeitnot sind ganz schlechte Berater. Ich habe in übertriebener Hektik auch schon mal Objektive am Strand durch die Gegend geworfen. Die Kosten, die Geräte professionell reinigen zu lassen, standen in keinem Verhältnis. Geduld ist in der Landschaftsfotografie eine (wenn nicht sogar DIE) Tugend. Da macht das Fotografieren des Sonnenuntergangs an der Ostsee keine Ausnahme.
  • Auge für die Umgebung!
    Mir fällt es manchmal schwer, das Auge vom Sucher zu lösen. Dabei lohnt sich ein Rundumblick sehr häufig. Behalte im Kopf, dass die Sonne Dinge anstrahlt, die dadurch einen ganz eigenen Charakter erhalten. Besonders im warmen Licht des Sonnenuntergangs kann das sehr lohnenswert sein.

Nachbereitung des Fotoausflugs

Sind die Bilder im Kasten und der Rückweg erfolgreich bewältigt, geht es an die Nachbereitung. Bei der Sichtung der Bilder achte ich auf Unzulänglichkeiten. Gibt es Sachen, die ich beim Fotografieren übersehen habe? Fallen mir Dinge in den Bildern auf, die sich als Motiv geeignet hätten? Gibt es Verbesserungen in der Logistik? Besonders bei Fotospots vor der Haustür lohnt es sich nach Verbesserungspotential zu fahnden.

beach chairs at sunrise in the sand, baltic sea in the background and lightning sky with rising sun in shades of red and yellow
Hier könnte eine noch tiefere Perspektive mehr Spannung bringen.

Konntet ihr mit den Tipps und Hinweisen etwas anfangen? Hinterlasst mir deine Meinung und Anregung in den Kommentaren oder schreibe mir eine Email. Zeig‘ mir auch gern deine Ergebnisse von Versuchen, den Sonnenuntergang an der Ostsee zu fotografieren.

Sind einige der Begriffe für dich Neuland? Dann zögere nicht, dir meinen Beitrag zum Thema Fotografieren lernen durchzulesen. Dabei beschreibe ich dir sehr detailliert, worauf es bei einem Bild ankommt (Gestaltung und Aussage) und worauf weniger (die genutzte Technik…). Interessieren dich aber die technischen Grundlagen des Fotografierens, schau‘ dir den Beitrag zu den Fotografie Grundlagen an.

Suchst du nach Motiven, die man an der Ostsee gern fotografiert? Ostsee24 hat eine Rangliste der 10 begehrtesten Fotomotive an der Ostsee erstellt.